Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1928)
- Article
- Die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation in Russland
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 16)
- Language
- German
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17 der Unterhalt für eine Familie (außer Brot, Milch und Milchprodukten) stellt, ziemlich übereinstimmend die Auskunft erhalten, daß eine Familie, die aus Mann, Frau, einem erwachsenen arbeitenden Kinde und zwei noch nicht arbeitenden Kindern besteht, für Lebensmittel jährlich mindestens 300 Rubel haben muß. Für Kleidung und sonstige Bedürfnisse (einschließlich Versicherung und Reparaturen) sind auch mindestens 300 Rubel im Jahre erforderlich. Es zeigt sich also, daß die Einnahmen des Siedlers in der Ukraine um 217.50, in der Krim um 153.25 Rubel hinter den notwendigen Ausgaben zurückbleiben. Der Siedler kann also das Gleichgewicht in seinem Budget nur dadurch aufrechterhalten, daß er seinen Lebensunterhalt und seine Bedürfnisse an Kleidung unter den üblichen Standard heruntersetzt, oder daß er sich bemüht, durch Uebernahme von Transporten oder irgend welchen Handwerkerarbeiten noch Nebeneinnahmen zu erzielen. Beides ist nicht leicht. Transportverdienst gibt es kaum noch, sobald einmal die Häuser in den Kolonien fertig gebaut sind. Auch die handwerkliche Tätigkeit ist beschränkt. Und die Herabsetzung des Lebensstandard ist gefährlich, weil sie zu Unterernährung und Krankheiten führen kann/ Sogar bei den oben angesetzten Ausgaben für Lebensmittel von 300 Rubel jährlich ist damit gerechnet, daß der Siedler höchstens zwei- bis dreimal in der Woche Fleisch ißt. Die finanzielle Situation wird noch schwieriger werden, sobald der Siedler mit der Zahlung von Steuern und mit der Verzinsung und Abzahlung seiner Schulden beginnen muß. Zurzeit sind die Siedlungen noch von allen Steuern befreit und auch der Termin zur Abzahlung der Schulden ist noch nicht gekommen. Ebenso sorgt vorläufig noch die Kolonisationsgesellschaft für die medizinische Hilfe. Es ist aber abzusehen, daß der Siedler nach einiger Zeit aus eigenen Mitteln hierfür wird sorgen müssen, was jede Familie mit mindestens 25 Rubel jährlich belasten wird. Insgesamt werden dann seine Ausgaben nicht nur 600 Rubel, sondern mindestens 700 bis 800 Rubel jährlich betragen. 6* Lage der Siedler im Jahre 1927, Es ergibt sich hiernach, daß bei dem jetzigen System der Siedler nicht in der Lage ist, aus seinen normalen Einnahmen seine normalen Ausgaben zu decken. Die Sachlage wird aber noch dadurch verschärft, daß in der Krim und in der Ukraine nicht ein normales Jahr auf das andere folgt, sondern daß die Ernten sehr verschieden ausfallen. Die Krim gehört zu einem Gebiete mit geringen Niederschlägen (kaum 400 mm im Jahr) und auch im Süden der Ukraine ist die Regenmenge nur um ein geringes größer. Es kommt aber in manchen Jahren vor, daß auch diese Regenmenge nicht erreicht wird, oder daß der Regen nicht zur richtigen Zeit niedergeht, was eine Mißernte zur Folge hat. Auch der Saharawind, der bis hierher dringt, kann, wenn er nach starken Regenfällen eintritt, die Körner zum Schrumpfen bringen und die Ernte stark reduzieren. Im allgemeinen kann man damit rechnen, daß in zehn Jahren drei gute Ernten, drei schlechte Ernten und vier Mittelernten vorkommen. Das Schlimme hierbei ist aber, daß der Siedler in den drei guten Jahren nicht etwas für die drei schlechten Jahre zurücklegt, sondern daß er den Mehrertrag in den guten Jahren verbraucht^ um ein paar Bedürfnisse, die immer vorhanden sind, zu befriedigen. Kommt dann ein Jahr mit einer schlechten Ernter in dem er von seinem Felde wenig oder gar nichts herunternimmt, so hat er Dreine Reserven und steht sofort vis-ä-vis de rien. Das ist be- 2