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Palästina · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 4

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Article
Die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation in Russland
Date
1928-01-01
Page
Seite 4 (sequence 3)
Language
German
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4 Siedlungen großen Schaden. Die Kolonien in den Gouvernements Cherson und Jekaterinoslaw, die bei Beginn des Weltkrieges etwa 39.000 Seelen zählten, verloren, da sich der Bürgerkrieg zum Teil in ihrem Gebiete abspielte, etwa ein Drittel ihrer Bevölkerung durch Abwanderung und Tod, ein großer Teil der Häuser wurde zerstört und das Vieh starb oder wurde requiriert. Erst seit dem Jahre 1922, seitdem die ICA diesen Kolonien wieder Hilfe leisten konnte, ist die Bevölkerung und der Viehbestand der Kolonien wieder gewachsen und hat jetzt ungefähr den Vorkriegsstand erreicht. Wirtschaftlich sind die Kolonien in diesen beiden Gouvernements allerdings noch nicht konsolidiert. Ich fand bei meinem Besuche im Oktober 1927, daß etwa ein Drittel der Kolonisten entweder kein Zugtier oder keine Kuh hatten. Viele Kolonisten sind auf Nebenverdienst aus Transporten oder aus dem Handwerk angewiesen, um ihre Ausgaben mit den Einnahmen in Uebereinstimmung zu bringen. Die Hauptursache für die unsicheren und teilweise völlig ungenügenden Einnahmen der Kolonisten liegt darin, daß sie fast ausschließlich auf den Getreidebau angewiesen sind, dessen Erträge sehr schwanken. Mißernten infolge Regenmangel sind häufig und bringen das Budget des Landwirtes aus dem Gleichgewicht. Diejenigen Landwirte, die eine Kuh haben, können dadurch wenigstens ihren Bedarf an Milch, Butter und Käse decken. Die Landwirte mit zwei Kühen haben auch Bareinnahmen, indem sie die nicht für den eigenen Bedarf gebrauchte Milch in besonderen genossenschaftlichen Käsereien zu Käse verarbeiten und in die Stadt verkaufen, Gemüsebau fehlt fast völlig. Weingärten oder sonstige Obstpflanzungen sind nur bei ganz wenigen Kolonisten vorhanden. Erst in den letzten Jahren haben die Kolonisten neue Weingärten gepflanzt, auf die sie große Hoffnungen setzen, die aber erst jetzt anfangen Ertrag zu geben. 3- Wirtschaftliche Lage der alten weißrussischen Kolonien. Ebenso wie die Kolonien in den Gouvernements Cherson und Jekaterinoslaw (die in drei Rayons mit den Städten Cherson, Krivoi Rog und Guliai-Polje als Mittelpunkte konzentriert sind) haben auch die alten jüdischen Kolonien im übrigen Rußland durch den Weltkrieg großen Schaden erlitten. Die bessarabischen Siedlungen gehören seit dem Weltkriege nicht mehr zu Rußland, sondern zu Rumänien und fallen deshalb aus dem Rahmen unserer Betrachtung. Das gleiche gilt von den in Polen und Litauen gelegenen alten jüdischen Siedlungen. In Weißrußland haben die alten jüdischen Siedlungen sich im allgemeinen trotz des Krieges aufrechterhalten. Für sie ist charakteristisch, daß sie meist in der Nähe der Städte liegen und sich hauptsächlich mit Milchwirtschaft, Futter- und Kartoffelbau beschäftigen. Viele Siedler haben neben ihren Einnahmen aus der Landwirtschaft noch Einnahmen aus Handel, Transport oder Handwerk. Im ganzen läßt sich von den Siedlungen sagen, daß sie nicht einen ganz, sondern nur einen halb landwirtschaftlichen Charakter haben, Sie schlagen aus mehreren Berufen schlecht und recht das heraus, was sie zu ihrer Existenz bedürfen. Dieser Umstand macht es auch schwer, die Zahl der jüdischen Landwirte in Weißrußland richtig anzugeben, weil bei vielen zweifelhaft ist, ob sie zur Landwirtschaft oder zu einem anderen Berufe gehören. Die weißrussische Regierung beziffert in einer 1927 veröffentlichten Denkschrift die Zahl der jüdischen Landwirte (einschließlich der 1925 und 1926 neu angesiedelten 1303 Familien) auf 7336 mit 39.319 Seelen und 42.216 Desjatinen Land; außerdem gab es in den (inzwischen mit Weißrußland verbundenen) Kreisen Hornel und

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