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Palästina · 1928-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1928) · p. Seite 5

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1928)
Article
Die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation in Russland
Date
1928-01-01
Page
Seite 5 (sequence 4)
Language
German
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5 Retschizo 445 jüdische landwirtschaftliche Familien mit 2543 Seelen und 3686 Desjatinen Land. Aber in diesen Zahlen sind sicherlich viele Familien enthalten, die nur als Nebenberuf etwas Landwirtschaft treiben. II. Die Kolonisation. U Ursachen ihrer Inangriffnahme, Diese kurze Skizze der bisherigen Beteiligung der russischen Juden in der Landwirtschaft war notwendig, um zu zeigen, unter welchen Bedingungen die neue landwirtschaftliche Kolonisation nach dem Weltkriege in Rußland einsetzte. Es gab schon während des Krieges eine ziemliche Anzahl von Juden, besonders in Litauen, Polen und Weißrußland, die durch den Krieg ihre frühere Existenz als Händler oder Handwerker verloren hatten und teils freiwillig, teils unter dem Zwang der deutschen Okkupationsbehörden anfingen, sich mit Landwirtschaft zu beschäftigen. In der Mehrzahl der Fälle geschah dies so, daß sie Boden an der Peripherie der Städte, der infolge des Krieges von seinen Besitzern nicht bearbeitet wurde, für Gemüse- und Futterbau benutzten und eine oder zwei Kühe hielten. Als in den Jahren 1919 und 1920 die russische Regierung zur Agrarreform schritt, den Großgrundbesitz enteignete und den enteigneten Boden in kleinen Parzellen verteilte, meldeten sich auch eine Anzahl Juden und bekamen Land zugeteilt, Aber alle diese Versuche der Juden, sich in der Landwirtschaft heimisch zu machen, hatten nur geringen Erfolg. Diejenigen Juden, die fremden Boden in der Nähe der Städte okkupiert hatten, mußten ihn wieder aufgeben, als die früheren Eigentümer nach dem Kriege zurückkehrten. Andere fanden, als in Polen und Litauen nach dem Kriege Handel und Handwerk sich wieder belebten, den Weg zu ihrem früheren städtischen Berufe zurück. Bei denjenigen Juden, die Land von der russischen Regierung bekommen hatten, erwies sich in der Mehrzahl der Fälle, daß sie entweder nicht die nötige persönliche Eignung oder nicht die notwendigen Mittel hatten, um in der Landwirtschaft durchzuhalten. So kam es, daß alle Versuche der Juden, wieder Landwirte zu werden, nach Ablauf von einigen Jahren fast ohne positives Resultat geblieben waren. Die Bewegung zerfiel noch schneller, als sie entstanden war. In dieser Situation beschloß im Jahre 1924 die Regierung der Sowjet- Union, die landwirtschaftliche Kolonisation der Juden systematisch in die Hand zu nehmen. Der Grund dafür war, daß durch die ökonomische Politik der Regierung, die den direkten Uebergang der Produkte von dem Produzenten zu den Konsumenten anstrebte, der Handelsstand mehr und mehr seine Rolle als Vermittler des Warenaustausches verlor. Hierdurch wurden die Juden mehr als jeder andere Bevölkerungsteil betroffen, weil unter ihnen der Prozentsatz der Händler am größten gewesen war. Die Regierung sah ein, daß sie für die ohne ihre Schuld existenzlos gewordenen Juden andere wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnen müsse, und sie glaubte, in der Landwirtschaft eine solche Möglichkeit zu finden. Zu diesem Zwecke gründete die Regierung im Jahre 1924 eine besondere Behörde, das Kommissariat für jüdische Landansiedlung (abgekürzt russisch »Komzet«, jüdisch »Komerd« genannt). Diese Behörde bekommt von der Regierung aus den Bodenreserven, die ihr von der Enteignung des Großgrundbesitzes noch übrig geblieben sind und von denen die Regierung jedes Jahr einen bestimmten Teil verteilt, eine gewisse Quote zugewiesen*

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