Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Die erste palästinensische Landwirtschafts-Ausstellung
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 542 (sequence 3)
- Language
- German
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542 Fellachen die Bedeutung der .Holzzucht besonders augenscheinlich machen. Unter den privaten Baumschulen fiel die von Ajn Charod auf. Sehr wenig sah man von dem Zweig der Bodenproduktion, dem in Palästina die größte Zukunft prophezeit wird, während er schon heute die größte Einnahrnsquelle des Landes darstellt, den Citrusbäumen, insbesondere der Orange. Diese Unterlassung mag wohl daher gekommen sein, daß bereits im Vorjahr eine Sonderausstellung in Jaffa, dem Zentrum für Orangenplantagen, abgehalten worden war, ferner daß die Reifezeit für diese Früchte erst in die kommenden Monate fällt. Nur die Pica brachte in ihrem Pavillon eine Kollektion von Orangen und Grapefruits aus den von ihr aufgestellten Siedlungen zur Anschauung. Ebenso war die W/e;intraubenk'ultur nicht so vertreten, daß es ein in die Augen fallendes Bild ergeben hätte. Dafür sah man Kernobst, Aepfel und 'Quitten . aus Kiryath Anavim und anderen ijüdisohen Siedlungen, die erwiesen, daß diese Früchte eine Zukunft haben können. Auch hier hätte man gerne mehr über Sorten, Pflege und Bewässerung usw. erfahren. Aehnlich stand es mit der Ausstellung von Gemüsen. Hier gab es nur einige Musterexemplare einzelner Sorten, von Dimensionen, die für den Europäer sicherlich ganz erstaunliche wären, aber nicht viel besagen, weil der Größe nicht immer auch die höhere (Qualität entspricht. Auch bei Gemüse spielt die Sortenwahl, Anbau- und vor allem Reifezeit die größte Rolle, vom Standpunkte der Gartenrentabilität gesehen. Am'.schwächsten stand* es urcTdie Beschickung der Ausstellung mit Erzeugnissen der Viehzucht. Die Gefahr der Seuchenverschleppung dürfte die meisten Interessenten von der Beteiligung abgehalten haben. Außer dem prachtvollen Pferdematerial der transjordanischen Gendarmerie gab es noch einige schöne Pferde arabischen Blutes, die merkwürdigerweise gerade ein jüdischer- Züchter vorführte, Esel und Maultiere. Versuche, einen kräftigen Schlag von Arbeitstieren zu züchten, sah man nicht, und gerade das wäre eine wichtige Aufgabe. Besonders auf schwereren Böden sind das inländische Pferd und Maultier, so viel auch aus ihnen herauszuholen ist, für die Bodenbearbeitung etwas zu schwach, ebenso für den Zug der verschiedenen Maschinen. Bei den hohen kosten des Gespannführers im Verhältnis zu den Gesamtkosten eines Gespanntages erfordert aber die rentable Ausnützung gängige und kräftige Tiere, welche hohe Tagesleistungen ermöglichen. Ueberdies sollen deren Anforderungen an Pflege und Futter diejenigen der heimischen Tiere nicht sehr übersteigen. Versuche, den südungarischen Schlag einzuführen, können , als geglückt bezeichnet werden; aber gerade von dem schönen, bereits im Inlande geborenen Nachwuchs dieser Pferde, von «Kreuzungen ungarischer und einheimischer Pferde, von Maultierzüchtungen mit starken ausländischen Vatertieren3 sah man nichts. Ebenso fehlten die bemerkenswerten Erscheinungen der Kreuzungsversuche beim Rindvieh. Auf einer kürzlich im Block Nuris veranstalteten Kälberschau konnte man viel schönere Tiere sehen als in Haifa. Die vor- ■ geführten Tiere der heimischen Rasse und der vielverbfeiteten syrischen Schläge geben ein schlechtes Bild, abgesehen davon, daß auch hier kein Hinweis auf die Milchergiebigkeit und Haltung ein Urteil ermöglichte. An Schafen, Ziegen und Kamelen gab es schöne, aber nur wenige Exemplare. Die Geflügelzucht kam hauptsächlich in dem Sonderpavillon der Na-halaler Mädchenschule zur Geltung. Die produzierten Eier sind Qualitätseier im besten Sinne des Wortes, und man wird sich gerade hiebei dessen bewußt, wie nötig es ist, auf dem palästinensischen Markte das Qualitätssystem in diesen und anderen Erzeugnissen der Landwirtschaft einzuführen. Solange z. B. Eier ohne Unterschied des Gewichtes nur nach Stückzahl gehandelt werden, fehlt der Anreiz zur Zucht solcher Rassen, die sich durch große Eier auszeichnen. Gezeigte Kreuzungen in der dritten