Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Die Kongressbeschlüsse
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 538 (sequence 3)
- Language
- German
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538 wirtschaften und dem iKeren Hajessod ausschalten 'wollten.*) Mögen bei manchen Vertretern dieses Beschlusses auch vor allem wirtschafts- und finanzpolitische Momente maßgebend gewesen sein, für die Arbeiterschaft ist die Gesellschaft „<Nir" ein Symbol ihrer wichtigsten Ziele und mehr noch der Kongreß als die Kommission gestaltete die Beschlüsse an der Nir-Frage zu einem Symptom einer arbeiterfeindlichen Haltung. Daran vermochten alle Beteuerungen des Gegenteils nichts zu ändern und auch der taktisch sehr gut gemeinte Vorschlag des Jinken* (Zentrums, die Frage dem Aktionskomitee zu überweisen — ein Vorschlag, der von den Arbeitern mit Genugtuung begrüßt, aber von der Kongreßmehrheit demonstrativ abgelehnt wurde —, konnte -an dieser Situation nichts ändern. Dazu kam, daß sich gerade diese Beratungen alle auf dem Hintergrund, der Exekutivebildung abpielten, das heißt zu einer Zeit als nocfi keine Exekutive gebildet war, so daß es schien, als wenn in dieser Stimmung die Schaffung einer Exekutive überhaupt unmöglich werden würde. Das Eingreifen Weizmanns, die Unterbrechung der Sitzung, die Wahl der Exekutive nach langen nächtlichen Beratungen des Permanenzausschtosses rettete die Situation. Das nun endgültige Ergebnis in der Frage „Ndr" bleibt ein wenig dunkel. Zweifellos hätte «sich der Kongreß hier manche schwere Stunde und manche etwas exaltierte Haltung auf allen Seiten des Hauses ersparen können. Im Gegensatz dazu standen die anderen Resolutionen auf diesem sozialpolitischen Gebiet im Zeichen eines allgemeinen Friedens. In Resolution XIX wird den Landarbeiterverbänden eine legitime Anerkennung und Belobung zuteil — jedoch wird diesem Beschluß durch Zusätze, der diese Anerkennung und Belobung, auch auf „Vertretungen von anderen Kategorien" von Siedlern ausdehnt, eine ganz andere Richtung gegeben. Aehnlich liegen die Dinge bei den Resolutionen über die Lage der Koloniearbeiter. M.an überstürzte sich ein wenig in den Bemühungen um Schaffung von Ausgleichen, nahm den Beschlüssen so etwas von ihrem inneren Wert, obwohl gerade in* diesen Spezialfällen alle Erfolge in der Herstellung harmonischer und friedlicher Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern aufs wärmste zu begrüßen sind. Daß in den Beschlüssen über die Notwendigkeit der Ansiedlung von iKoloniearbeitern (XX) gegenüber den früheren Beschlüssen über neue Kolonisation Indirekte Widersprüche enthalten sind, sei nur nebenbei bemerkt. Auch die Anerkennung des „Misrad iKablani" (XI) gehört .in die Reihe dieser iFriedensresolution und ist, gerade da er von Wortführern der palästinensischen Kolonisten vertreten und angenommen, wurde in seiner Richtung hoch zu bewerten. Besonders wertvoll erscheinen in diesem Zusammenhang die Beschlüsse über die Schaffung von „Schchunoth Owdim" (Arbeitersiedlungen in der Nachbarstadt der Städte) ebenfalls ein altes, meist rein demonstrativ gebrauchtes Requisit unserer Kongreßresolutionen. Von einer Subkommission sehr genau ausgearbeitet, enthält die Resolution neben der grundsätzlichen Forderung eine ganze Anzahl rein konkreter und praktischer Hinweise, die für die Realisierung der Forderung der Schaffung von „Schchunoth Owdim4* sicherlich von großer Bedeutung sein werden. Im Gegensatz dazu stehen einige mehr demonstrative Beschlüsse, wie XI und X'1,1, welche die Unberührtheit der -.Kolonien von der Krise und die Konsolidierung von acht Siedlungen begrüßen. Sie haben vielleicht den Wert, daß sie gegenüber der oft allzu pessimistischen und kritischen Einstellung zu unserem landwirtschaftlichen Wjerk in Palästina auch einmal seine positiven Resultate hervorheben und deutlich erklären, daß wir in *) Ueber „Nir" siehe den Artikel von Dr. Preuß in Nr. 3 dieses Blattes. „Nir" ist die. rechtlich konstruierte 'Kooperative der Landarbeiter gewerkschaft und sollte nach deren Wunsch Vertragspartner in den Verträgen der Siedler mit dem K. H. sein.