Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 534 (sequence 3)
- Language
- German
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534 kussionen nötig machen würden, im ungünstigen Fall dem einen Teil der Exekutive notwendig erscheinende Maßnahmen unmöglich machen würden und so allmählich, nach der Befürchtung der Anhänger dieser Ansicht, das ganze Reorganisationswerk illusorisch machen könnten. Auf der andern Seite aber wurde geltend gemacht, daß .die reibungslose Durchführung •einer administrativen Neuordnung der Wirtschaft auch abhängig ist von einer gewissen psychologischen Stabilität innerhalb der maßgebenden Kreise des Jischuw. Insbesondere müsse man damit rechnen, daß eine übermäßige Erregung der Arbeiterschaft besonders in den jetzigen schwierigen Umständen, bei der herrschenden Arbeitslosigkeit und angesichts der großen Verdienste, die sich die Arbeiterschaft durch ihre Disziplin im letzten Jahre erworben hat, die Arbeit der Exekutive außerordentlich erschweren könnte. Die Anhänger dieser Ansicht, zu denen deutlich auch Dr. Weizmann gehörte, erstrebten die Bildung einer programmatisch gebundenen •Koalitions-Exekutive, deren Zentrum verstärkt werden sollte, so daß die in Aussicht genommene Exekutive ihr Reformwerk, gestützt auf die Beschlüsse des Kongresses, in Angriff nehmen kann, aber doch auch gleichzeitig durch die Teilnahme je eines Mitglieds von selten der Arbeiterschaft und von »selten des Misrachi die Brücken zu diesen Flügelparteien hergestellt werden, so daß der Rückhalt der Exekutive innerhalb der 'palästinensischen Bevölkerung ein breiterer wird. Selbst gewisse unbezweifelbare Nachteile, wie etwa die oben erwähnte Notwendigkeit einer inneren ,Diskussion über Detailfragen innerhalb der Exekutive, müßte in Kauf genommen werden, um doch der Exekutive, die nach Lage der Dinge zu sehr unpopulären Maßnahmen gezwungen sein wird, nicht von vornherein eine übermäßige Gegnerschaft zu schaffen. Außerdem würden bei Durchführung von Reformen, deren Zwangsläufigkeit auch die Arbeiter nicht bestreiten -können, die großen- Erfahrungen der Arbeiterschaft zugute kommen. Es ist schwer, theoretisch zu entscheiden, welcher von den beiden Standpunkten der richtige ist. Es ist ohne weiteres klar, daß beide vieles für sich haben. Dr. Weizmann hat in den ersten Tagen des Kongresses betont, er wünsche keine Lösung gegen die Arbeiterschaft. Er bat jedoch später, als kein anderer Ausweg war, mit voller Disziplin sich den Wünschen des Kongresses gefflgt und den einzigen Vorschlag vertreten, der sich ergeben hatte, als der wichtigste Mann der n^uen Kombination, der englisch-palästinensische Advokat Harry Sacher, das Ausscheiden der Parteienvertreter als Bedingung stellte. Durch Sachers Stellungnahme wurde die Frage für den Kongreß endgültig entschieden. Denn alle Gruppen waren sich darüber einig, daß eine bloße Wiederwahl der alten Exekutive sachlich und propagandistisch verhängnisvoll wäre. Die Möglichkeit aber, eine Exekutive mit Sacher und anderen Vertrauensleuten des Zentrums und gleichzeitig mit den Vertretern der Parteien zu bilden, schied aus. Auch die Amerikaner, die schon vor dem Kongreß sich auf die Parole der flügellosen Exekutive festgelegt hatten, in den ersten Tagen des Kongresses aber sie zu modifizieren bereit waren, stützten später Sachers Forderung, und das linke Zentrum schloß sich an. Es wurde also eine Exekutive gebildet, die aus Sacher, Kisch und der Führerin der Hadassah-Frauenbewegung, Miß Szold, besteht. Die Exekutive hatte keine organische Majorität im Kongreß und konnte nur dadurch Zustandekommen, daß die Arbeiterparteien, um ein resultatloses Auseinandergehen zu verhüten, an der Abstimtnung nicht teilnahmen. Dagegen hat der Misrachi gegen die Exekutive gestimmt unä ist damit formell in die Opposition übergegangen. Natürlich haben auch die Revisionisten und die Radikalen gegen die Exekutive gestimmt. Die Arbeiterparteien haben nach der Wahl" Mißtrauenserklärungen abgegeben. Das vom Kongreß beschlossene Palästina-Budget -beläuft