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Palästina · 1927-01-01 · Heft 10-11 · p. Seite 533

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Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 10-11
Article
Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
Date
1927-01-01
Page
Seite 533 (sequence 2)
Language
German
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533 schaftspoliti'k zu finden. Der etwa vor einem Jahre entbrannte Streit, ob die Priorität der Konsolidierung der bestehenden Wirtschaften oder aber der Gründung neuer Kolonien gebührt, wurde völlig 'illusorisch, angesichts der inzwischen insbesondere infolge der Arbeitslosigkeit entstandenen Finanzlage, die weder Konsolidierung noch Neukolonisation zuläßt. Im Vordergrund standen zwei Aufgaben: erstens eine radikale Abkehr von der alten Budgetpolitik und Berücksichtigung des bestehenden Defizits und zweitens die allmähliche innere Reorganisation der gesamten, von der Zionistischen (Exekutive geleiteten Palästina-Wirtschaft im Sinne einer höheren Produktivierung des Budgets. Der ersten Aufgabe wurde Genüge geleistet durch eine Reihe von «Beschlüssen, die aussprachen, daß das Budget im (Einklang stehen muß mit einer vorsichtigen Schätzung der Einnahmen. Auch der Grundsatz der Konsolidierung wurde in einer Resolution prinzipiell anerkannt. Praktisch am wichtigsten ist vielleicht der Beschluß, der der Exekutive das Recht gibt, Veränderungen innerhalb des Bxidgets vorzunehmen, insbesondere wenn die Eingänge nicht die prälirninierte Höhe erreichen sollten. — Der zweite Teil der Aufgabe ist weniger ein legislativer als ein administr ativer, und folgerichtig hat sich auch auf dem Kongreß ein heftiger Kampf um die Bildung der Palästina-Exekutive entsponnen, das heißt um die künftige Leitung und Verwaltung der Palästina-Arbeit. Die Erkenntnis, daß die Methoden der Verwaltung der Palästina-Wirtschaft im Laufe der sechs oder sieben Jahre etwas revisionsbedürftig geworden sind, daß verschiedene Mißstände, wie etwa die von Dr. Ruppin stets gerügte Hypertrophie der Demokratie in der Verwaltung, beseitigt werden müssen, daß angesichts der beschränkten Mittel von Zeit zu Zeit eine umfassende Zweck- und Sachrevision stattfinden muß, um eine Mechanisierung und wachsende Unrationalität zu verhüten, — diese Erkenntnis hat. sich allmählich fast allgemein durchgesetzt; aber sobald es dazu kommt, Konsequenzen zu ziehen, gehen die Meinungen weit auseinander. Auch dies ist begründet in außerwirtschaftlichen Umständen, der Parteizugehörigkeit oder bestimmten Liebhabereien oder auch der Interessen der einzelnen Beteiligten. Eine große Rolle spielt dabei insbesondere die Wirtschaft der Arbeiterorganisation. Weite Kreise der Arbeiterschaft sind sich darüber im klaren, daß manche Betriebe der Arbeiterorganisation reorganisationsbedürftig sind, aber innerhalb der zionistischen Gremien hält es die Arbeiterschaft für ihre Pflicht, diese Unternehmungen vor dem Zugriff der Verwaltung zu schützen. Aus diesem Spannungsverhältnis hat sich die Parole gebildet; die diesen Kongreß beherrschte, nämlich die Parole einer „flügellosen" Exekutive, also' einer Exekutive, in welcher die bestimmte Interessen repräsentierende Parteien nicht vertreten sind. Die wesentliche Meinungsverschiedenheit, die sich auf dem Kongreß latent und zum Teil offen auswirkte, ging um diesen Punkt. Die Notwendigkeit einer Reorganisation vorausgesetzt, waren betreffs der Exekutivbildung dennoch zwei Möglichkeiten gegeben. Die eine Möglichkeit war die „flügellose" Exekutive, die aus parteilosen, administrativ und (juristisch geschulten Persönlichkeiten von großer Energie und Prestige bestehen sollte und unabhängig von Parteieinflüssen nur nach •ihrem sachlichen Urteil die gesamte Wirtschaft überprüfen und neu organisieren, sowie die Umgestaltung des Budgets für den nächsten Kongreß vorbereiten soll. Die Anhänger dieses Gedankens, der vor allem von der amerikanischen Delegation und dem „Linken Zentrum" vertreten wurde, machten geltend, daß* in der praktischen Verwaltungsarbeit es weniger auf die Ueibereinstimmung in großen allgemeinen Fragen als vielmehr auf die Durchführung im D e l a i 1, ankommt. Und gerade in den Detaiifragen, in den kleinen Angelegenheiten der täglichen Praxis würden sich, falls Vertreter der Parteien der Exekutive angehörten, immer wieder Differenzen ergeben, die im besten Fall stundenlange Dis-

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