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Palästina · 1927-01-01 · Heft 10-11 · p. Seite 532

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Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 10-11
Article
Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
Date
1927-01-01
Page
Seite 532 (sequence 1)
Language
German
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532 Rundschau. Jewish Agency. Von Dr. Robert W e 11 s c h, Berlin. Der XV. Zionistenkongreß, der vom 30. August bis 11. September in Basel abgehalten wurde, ist charakterisiert durch den Versuch, sich über die objektiven Bedingungen einer großzügigen Fortsetzung der Aufbauarbeit an der jüdischen Heimstätte «in Palästina klar zu werden. Heute ist diese Aufbauarbeit zu einer Staignation gekommen, weil sie diese Bedingungen vernachlässigte. Bisher waren im Zionismus, ganz im Einklang mit der eigentümlichen Art der Entstehung und seelischen Fundierung dieser Bewegung, in entscheidenden Momenten nicht objektive Tatsachen, sondern subjektive Wünsche für die Beschlüsse maßgebend gewesen. Und trotz der notwendigen Abkehr von dieser Methode darf doch nicht übersehen werden, daß in der Tat bei der Eigenart der Bewegung die Dynamik von ausschlaggebender Bedeutung ist, die gerade durch hochgesteckte Ziele, durch das fortgesetzte Streben nach dem Unmöglichen gesteigert wird. Die Kräfte, die für den Aufbau notwendig sind, werden geweckt durch höchste Anforderung; aber für wirtschaftliche Unternehmungen, aus denen sich der Aufbau zusammensetzt, ist es auf die Dauer unerträglich, daß sie, um der Erreichung dieses Maximums willen, also gewissermaßen aus •propagandistischen Gründen, ganz ernsthaft 'Positionen in ihr Kalkül einsetzen sollen, die nur als Stimulantia Geltung haben, sonst jedoch keine Realität darstellen. Die Folge -einer dauernden Praktizierung dieser Methode ist ein wachsendes Defizit aller Unternehmungen und vor allem der Palästina-Exekutive selbst, die für die sämtlichen Zweige der vom Zionistenkongreß in das Palästina-Budget aufgenommenen. Tätigkeiten verantwortlich ist. Dieser Jubiläumskongreß, der in der Erinnerung die Begeisterung der ersten Tage des Zionismus mitleben durfte, war daher genötigt, mehr als einer seiner Vorgänger der Tatsache Rechnung zu tragen, daß der Palästina-Auf bau .kein bloßes Wunscbgebilde, sondern vielfach abhängig von objektiven und meßbaren Faktoren ist; begreiflich, daß ein solcher Uebergang nicht ohne Erschütterungen vor sich gehen kann. Der Kongreß bedeutet zweifellos einen Fortschritt auf dem Wege der realeren Erfassung der Notwendigkeiten Palästinas, aber nicht ohne Schmerzen, nicht ohne Kämpfe und Rückfälle hat er sich dazu durchgerungen. Viele Erscheinungen des Kongresses sind überhaupt nur zu verstehen, wenn man bedenkt, wie verschieden die seelischen Energien sind, die für die vielseitigen Aufgaben des Zionismus erforderlich sind. Eine tiefenpsychologische Untersuchung könnte vielleicht erkennen lassen, daß im Kongreß manche Handlungen, Reden und Erklärungen, manche Affekte und Leidenschaften in Wahrheit etwas ganz anderes bedeuten, als ihre Worte erkennen lassen. An dieser Stelle freilich ist kein Raum für solche Betrachtung, vielmehr sollen hier kurz die Ergebnisse des Kongresses dargestellt werden, insbesondere soweit sie die Wirtschaft Palästinas betreffen. Der Kongreß mußte die Tatsache anerkennen, daß . der Exekutive jede Handlungsfreiheit genommen ist, so lange sie tief verschuldet ist. Eine Aussicht auf Einnahmen von solcher Höhe, daß im kommenden Jähr gleichzeitig das (Defizit abgedeckt und neue. Aufbauarbeit finanziert werden könnte, bestand offensichtlich nicht. Meinten noch die früheren Kongresse, sich über Berechnungen hinwegsetzen zu können, so konnte dieser sich nicht mehr darüber täuschen, daß alle Beschlüsse in bezug auf Finanzierung neuer Kolonisation usw. nur auf dem Papier gewesen wären, ohne jede andere Konsequenz als Verwirrung der 'Geister. Es war eine Zwangslage, die jeder anerkennen mußte. Es ging nun darum, in der besten und erträglichsten Form den Uebergang zu einer neuen Wirt-

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