Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Bericht englischer Sachverständiger über Palästina
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 517 (sequence 10)
- Language
- German
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5517 ist, so daß einer Familie etwa nur 24 Acres (100 Dunam) Bodens zugewiesen werden können. -3. Die tiefe Verbundenheit' der' Menschen, insbesondere vieler von den jüngeren, mit dem Land, welche sie befähigte, viel mehr zu leisten, als sonst landwirtschaftliche Pioniere zu tun vermögen. Das «unterscheidet die jüdische .Kolonisation Palästinas von jeder anderen, die ich kennengelernt habe; am nächsten kommt ihr in dieser Beziehung die — freilich fern abliegende — Kolonisation von Utah durch die Mormonen. In jedem Teil von Kanada oder der Vereinigten Staaten (Utah ausgenommen) wird der Bauer laut das Lob seiner Farm singen, sie als den unzweifelhaft besten Fleck der Erde bezeichnen und gleich darauf zum Verkauf anbieten, damit er anderswohin ziehen kann. Die Farmer befinden sich da in einer dauernden Wianderbewegung vom Osten nach dem Westen und vom Süden nach dem Norden und umgekehrt. In Palästina kommt das, soviel ich sehen konnte, nicht vor. Nun sind diese Faktoren viel besser hochspezialisierten Systemen der Wirtschaft angepaßt als der extensiven Landwirtschaft. Für den Getreidebau hat der Jude keinen Vorzug vor dem syrischen Bauern, dem arabischen Fellachen in den Bergen oder dem neu angesiedelten Immigranten in Kanada oder Australien. Hingegen bringt er besondere Vorzüge für intensive Kultur mit, wie die palästinensische Traubenkultur gezeigt hat und die Beherrschung des Marktes für Jaffa- Orangen durch Palästina. Nach meiner Meinung müßten die Bestrebungen dahin gehen, Spezialprodukte von hoher Qua I i tät oder frühzeitiger Reife zu erzeugen, die in einer, besonderen Weise auf den Markt zu bringen, vorzüglich zu behaupten sind und nicht bloß in den Weltvorrat an Gütern durchschnittlicher Qualität untertauchen. Man soll nicht befürchten, daß der Markt übersättigt werden kann. Das Land ist zu klein, um mehr zu produzieren, als verbraucht werden kann. Zwei große Märkte liegen offen: 1. Der große und im Wachstum begriffene Touristenverkehr. 2. Der britische, europäische und hochklassige ägj^ptische Markt. Die auf <den europäischen Märkten erzielten hohen Preise für Frühprodukte zeigen, was erzielt werden kann, ebenso die in Ben Sliemen angestellten Versuche einer Erzeugung früher und daher hochpreisiger Tomaten. Es wäre natürlich eine Sicherung nötig, daß der Produzent einen angemessenen Anteil am Gewinn erhält, und daß der Vermittler keinen übermäßigen Gewinn -behält' Professor Warburg hat eine Reihe von Früchten aufgewiesen, deren Züchtung sich empfiehlt, und es gibt noch verschiedene andere Möglichkeiten, wie die Erzeugung von' frühem oder hochwertigem Gemüse, zum Beispiel Spargel (besonders auf salzhaltigem Böden); -von Blumensamen oder Pflanzensetzlingen, welche dem Bedarf der Levante und Aegyptens angepaßt sein sollen und aus den einheimischen Pflanzen als Ausgangsmaterial durch Veredelung erzielt werden können; von gut zubereiteten Fruchtkonserven und vieles andere. Für jede von diesen Wirtschaftstätig-