Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Die Grundprobleme des Aufbaues Palästinas
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 479 (sequence 17)
- Language
- German
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479 gierungseinnahmen gelegen ist. Ich sehe hier nur einen Weg: die Mandatarmacht muß einen speziellen Kommissar für die Wirtschaftspolitik Palästinas bestimmen, der von einer höheren Warte aus im Einklang mit den Bestimmungen des Mandates die Wirtschaftspolitik leitet. Die Tatsache, daß es in Palästina bisher an jeder gesetzlichen Regelung der Beziehungen .zwischen industriellem Arbeitgeber und Arbeiter fehlt, hat deshalb besonders unangenehme Folgen, weil die jüdischen Arbeiter und Arbeitgeber aus allen möglichen Ländern stammen und die allerverschiedensten Ansichten über ihre gegenseitigen Rechte und Pflichten haben. Diese Gesetzlosigkeit zu beseitigen, ist die Aufgabe der von der Exekutive und vom Waad Leumi eingesetzten Kommission, die bemüht ist ein Reglement auszuarbeiten, das die wichtigsten Beziehungen zwischen jüdischem Arbeitgeber und Arbeiter regeln und die Löhne fixieren soll Die Kommission ist in ihrer Arbeit schon ziemlich weit vorgeschritten. Die Gerüchte, die über die großen Gegensätze zwischen jüdischem Arbeitgeber und Arbeitnehmer unterlaufen, sehen sich vielleicht weniger schrecklich an, wenn wir uns die Tatsache vor Augen halten, daß der Jude wahrscheinlich nirgends in der Welt als Fabrikarbeiter leicht zu behandeln ist. Ich las zum Beispiel erst ganz kürzlich in einem Bericht über die Industrie in Polen, daß viele jüdische Industrielle, die gute Juden sind, gerne Spenden für das Joint Distribution Gomm'ittee geben, aber in ihren Betrieben keine Juden beschäftigen wollen, „weil es zu schwer sei, mrt jüdischen Arbeitern umzugehen". Es ist viel über die Frage diskutiert worden, wer die Einwanderung von Leuten, die in Palästina keine Existenz haben, veranlaßt hat. Gegenüber den Beschuldigungen gegen die Zionistische Exekutive möchte ich sagen: „peccatur intra muros et extra". Die Exekutive' ist gewiß nicht von jeder Schuld freizusprechen, aber man muß sagen, daß sie weniger als die Zionisten in Osteuropa selbst darüber orientiert sein konnte, ob die Einwanderer wirklich das von ihnen angegebene Kapital oder die von ihnen behaupteten Fachkenntnisse besaßen. Die Exekutive stand damals unter einem ungeheuren Druck von Polen, wo die wirtschaftlichen Verhältnisse für die Juden unerträglich waren und von wo man verlangte, daß das erforderliche Kapital für" die unabhängigen Einwanderer von 500 Pfund auf 250 Pfund herabgesetzt werde. Warum haben -diejenigen, die die Exekutive hmte beschuldigen, daß sie diesem Druck nachgegeben hat, nicht im Jahre 1924-25 gegen die Einwanderung protestiert? An Warnungen, daß eine überstürzte Einwanderung nach Palästina ein Unheil ist, hat es nicht gefehlt. Ich selbst habe auf dem 13. Kongreß im Jahre 1923 mit größter Schärfe dies betont und gesagt: „Wenn wir eine große Einwanderung fortsetzen und fast alle unsere ver-