Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Die Grundprobleme des Aufbaues Palästinas
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 475 (sequence 13)
- Language
- German
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475 eine der schönsten jüdischen Orangenpflanzungen im Jahre 1921 zu keinem Preise an Juden zu verkaufen war und schließlich in arabische Hände überging. Erst die letzten Jahre haben uns gezeigt, daß die Orange einen stabilen Markt hat und die Orangenpflanzung eine rentable Sache ist. Aber wenn wir nun den Versuch mit der Ansiedlung von Orangenpflanzern aus den mittelständischen Elementen machen und diesen Elementen ein relativ leichtes Leben schaffen wollen, so muß dieser Mittelstand auch wirklich wenigstens einige Mittel besitzen. Früher schien 'es schon ein Maximum, wenn wir den Siedlern die Hälfte des notwendigen Kapitals vorstrecken konnten. Ich glaube, wir werden darüber hinaus auf zwei Drittel oder sogar drei Viertel gehen müssen. Aber ein Minimum von einem Drittel müssen wir von den Siedlern selbst verlangen. Wenn Sie auch hierauf verzichten, so würde das heißen, daß Sie nicht das.Kapital, sondern die Gesinnung des Mittelstandes nach Palästina importieren wollen, und dafür habe ich kein Verständnis. Ebensowenig wie ich es für erlaubt halte, in unserer Kolonisation den Arbeiter zu bevorzugen, weil er eine proletarische Gesinnung hat, sondern verlange, daß man ihn nur nach seiner beruflichen Eignung beurteilt, ebenso kann für mich nicht die mittelständische Gesinnung eines Menschen der Anlaß sein, ihm den Vorzug vor anderen, nach Alter und Kraft besser geeigneten Kandidaten zu geben. Wenn ich sehe, wieviel Rezepte für die landwirtschaftliche Kolonisation gegeben werden, erinnere ich mich häufig des berühmten, Rezeptes aus dem Kochbuch: „Man nehme usw."; aber woher nimmt man bei uns so leicht die wichtigsten Elemente der andwirtschaftlichen .Kolonisation: bewässerbaren Boden. Geld, vorgebildete Siedler? Woher die tüchtigen Siedlerfrauen, die nach einem Bericht über die englische Kolonisation der Schlüssel zum Erfolg des Siedlers sind? Wir können mit den Rezepten in vielen Fällen nicht mehr anfangen als der arme Mann mit dem Kochbuch des Reichen. Ich wende mich mit aller Entschiedenheit gegen den Vorwurf, daß die Zionistische Exekutive bisher nur für die Arbeiter gesorgt und den Mittelstand vernachlässigt hat. Ich kann von mir selbst sagen, daß meine erste Tat in Palästina im Jahre 1907 mein Ersuchen an den Nationalfonds war, für den jüdischen Mittelstand in Jaffa die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen, um ein eigenes Stadtviertel neben Jaffa zu bauen. Das war der Anfang von Tel-Awiw. Und dem Ausbau von Tel-Awiw hat noch in vielen folgenden Jahren meine Arbeit gegolten. Das Palästina-Industriesyndikat, die Immobiiliengesellschaft „Palästina", die Gründung von Achusoth, die Gründung von Stadtvierteln bei Haifa und Jerusalem, wem anders galten sie als dem Mittelstande? Als ich vor drei und vier Jahren in Amerika war, galt meine Arbeit ausschließlich