Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Die Grundprobleme des Aufbaues Palästinas
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 476 (sequence 14)
- Language
- German
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47,6 der Gründung einer Investement Corporation, die doch, wie Sie verstehen, den Interessen des Mittelstandes und der Kapitalisten zugute kommen sollte. Es wird, weil man immer nur auf die Aufwendungen aus dem Keren Hajessod für die Kolonisation der Chaluzim starrt, vergessen, daß gleichzeitig aus den Mitteln zionistischer Institute, zum Beispiel der General Mortgage Bank of Palestine, der Anglo-Palestine Company, -sehr beträchtliche Summen ausschließlich für den Mittelstand aufgewendet worden sind. Ich will nicht das eine mit dem anderen ziffernmäßig vergleichen, weil es mir nicht darauf ankommt, die Gegensätze zu schüren, sondern sie zu überwinden. Es scheint,, daß man bei uns nicht versteht, daß ein Vater imstande ist, ein Kind zu lieben, ohne das andere zurückzusetzen, daß er beide mit gleicher Liebe umfassen kann. Es ist nicht willkürliche Bevorzugung, sondern eine aus den Verhältnissen der Pionierperiode hervorgegangene Notwendigkeit, daß in der Landwirtschaft zunächst die Arbeiterkolonisation ihren Platz fand. Aber dieser Vorrang bedeutet nur ein zeitliches Vorhergehen und schließt die nachfolgende mittelständische Kolonisation nicht aus, sondern macht sie im Gegenteil in vielen Fällen erst möglich. Obwohl ich an der Gestaltung des zionistischen Siedlungswerkes mitbeteiligt war, glaube ich berechtigt zu sein, über dieses Siedlungswerk ein objektives Urteil zu fällen. Es sind sicher in den einzelnen Wirtschaften Fehler gemacht worden, wie das unvermeidlich ist, wenn man mit so vielen neuen Menschengruppen und unter ungenügend bekannten lokalen Bedingungen arbeitet. Aber im Prinzip kann man unser Suchen nach dem richtigen Weg in der Kolonisation, das sich durch unsere ganze, übrigens sehr kurze, Vorbereitungsperiode hinzieht, so wenig als fehlerhaft bezeichnen, wie man bei einem Chemiker, der in seinem Laboratorium viele Versuche macht um zu einem Resultat zu kommen, die abwegigen Versuche als Fehler bezeichnen kann. Sie sind für ihn viele Richtungspunkte, um den WTeg zum endlichen positiven Erfolg zu finden. Ich sage nicht, daß unser Weg uns bereits zum Gipfel geführt hat, aber Betriebe wie Nahalal oder Kfar Jecheskiel, oder Daganiali oder Gewa bedeuten eine weit höhere Stufe dn der Entwicklung, als wir sie im Beginn unserer Arbeit vorgefunden haben. Es ist leicht, einer der Neunmalweisen zu sein und a tergo in Kenntnis aller bisherigen Versuche zu verkünden, wie man alles hätte machen müssen. Diese Weisen hätten ihre Weisheit bis am Beginn verkünden müssen, als die Kenntnis, die uns erst durch unsere Arbeit offenbar wurde, noch im Schöße der Zeiten schlummerte. Würde ich heute einen Bericht über die Kolonisation in Griechenland zu schreiben haben, so würde es mir ein leichtes sein, dort Fehler aufzuweisen; aber solch ein Bericht würde gar keinen Wert haben, weil er a tergo geschrieben ist und mit Kenntnissen operiert, die erst durcli die Arbeit selbst gewonnen wurden.