Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Die Grundprobleme des Aufbaues Palästinas
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 474 (sequence 12)
- Language
- German
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474 Weg zu einer späteren Selbständigkeit sehen. In Europa gibt es Landarbeiter, die vor der Selbständigkeit zurückschrecken, weil sie sich nicht die Befähigung zur-Führung einer Wirtschaft zutrauen. Einen jüdischen Landarbeiter von dieser Mentalität habe ich noch nicht gesehen. Sogar die Jemeniten, von denen wir früher glaubten, daß sie Arbeiter bleiben würden, fordern 'mit Recht, zumindest für ihre Kinder, einen Weg zur Selbständigkeit. Ich glaube, dieser Weg ist möglich, wenn man ihnen nicht wie bisher nur ein bis zwei Dunam, sondern mindestens 10 bis 15 Dunam Land gibt, von denen mindestens 10 bewässerbar und für Bepflanzimg mit Orangen durch Tiefpflügen usw. vorbereitet sind. Ich stelle mir vor, daß dann der Arbeiter im Laufe von einigen Jahren in seiner freien Zeit diesen Boden mit eigenen Kräften allmählich bepflanzt und dadurch zur Selbständigkeit aufsteigt. Wir haben in Ain Ganim und Neß Zionah bereits eine ganze Reihe von Siedlern dieser Art vor uns. Dieser Typus des Arbeitersiedlers würde zugleich eine erhebliche Verbilligung des Siedlungswerkes bedeuten; denn ich glaube, daß der Boden mit der notwendigen Vorbereitung ' und einem Häuschen nicht mehr als 40CX bis 500 Pfund zu kosten braucht. Die Bemühungen zur Kolonisierimg mittelständischer Elemente sind so alt wie die Kolonisationstätigkeit/ der zionistischen Bewegung überhaupt. Schon im Jahre 1910 veröffentlichte ich für das Palästinaamt eine Broschüre über die Anlage von Pflanzungen in Palästina und gab mir schriftlich und durch Reisen nach Osteuropa die größte Mühe, Leute mit Kapital in die Landwirtschaft nach Palästina zu bringen. Aber in den Vorkriegszeiten, als die wirtschaftliche Lage der Juden in Osteuropa relativ gut war, konnte man zwar Geld für Palästina von den Juden bekommen, aber nicht Leute mit Geld für Palästina. Die Versuche, Pflanzungen für abwesende Teilnehmer anzulegen, haben all die bekannten Nachteile gegen sich. Vielleicht ist heute mit Rücksicht auf die Aenderung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Osteuropa die Zahl der mittelständischen Elemente, die in Palästina Landwirte werden möchten, größer als vor dem Kriege. Aber Sie können in dem Bericht der Exekutive lesen, daß Dr. Soskin, der für seine Siedlung in allen Ländern Leute mit 450 Pfund Kapital gesucht hat, diese nicht finden konnte. Das sollte uns doch zum Nachdenken anregen. Nun ist es möglich, daß der Grund für diesen Mißerfolg darin liegt, daß die mittelständischen Elemente nicht Gemüse, sondern Orangen anpflanzen wollen, weil sie davon ein behaglicheres Leben erwarten. Ich bin der Ansicht, daß wir versuchen müssen, auch diesen Weg zu gehen. Aber wir sind erst seit wenigen Jahren mit Bezug auf den Orangenbau wieder zuversichtlich geworden. Die Unterbindung der Absatzmärkte im Kriege, die Heuschreckenplage und andere Schwierigkeiten hatten noch vor 6 und 7 Jahren die Orange-npflanzungen so in Verruf gebracht, daß zum Beispiel