Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Die Grundprobleme des Aufbaues Palästinas
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 473 (sequence 11)
- Language
- German
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473 nachzuahmen. Aber wir können sie leider nicht nachahmen. Es gibt ein Minimum der Lebenshaltung, das europäische Juden in der Regel nicht unterschreiten können, ohne körperlich und geistig zusammenzubrechen. Wenn die Einwanderer nicht die Möglichkeit haben, sich selbst und ihre Familien gegen Krankheit, klimatische Unbilden' und Hunger zu schützen, ihre Kinder in Schulen zu schicken und in ihrem Geiste zu erziehen, so werden sie selbst bei größtem Enthusiasmus nicht nach Palästina kommen oder Palästina wieder verlassen. Es kommt hinzu, daß die Juden, \^nn sie nach Art der Fellachen leben und wie diese von früher Kindheit an ihre ganze Zeit der Befriedigung ihrer notwendigsten leihlichen Bedürfnisse widmen müßten, die kulturellen Interessen nicht pflegen und Palästina niemals zu einem geistigen Anziehungspunkt für die Juden der* Welt machen können. Wie primitiv die arabischen Fellachen leben, können S-ie daraus ersehen, daß mir vor kurzem ein gebildeter Araber sagte, er habe gesehen, daß die Leute in unseren Siedlungen bei ihrer Toilette Zahnbürste, Handtuch und Seife gebrauchen, und er könne nicht verstehen, wie der Ackerbau solch einen Luxus erlaube. Ich habe oben bereits erwähnt, daß ich fast sicher bin, daß wir für den Typus der gemischten Wirtschaft die Kosten auf 1000 Pfund und vielleicht noch weiter herunterbringen können. Der zweite Typus, den ich für möglich halte, der Typus des Pflanzers, speziell des Orangenpflanzers, der etwa 15 Dunam bewässerten Boden besitzen amd davon den größten Teil mit Orangen bepflanzen soll, kostet bis zur Fruchttragung der Pflanzung einschließlich eines Wohnhauses nicht weniger als 1200 Pfund. Da aber zu hoffen ist, daß für diesen Typus sich bemittelte Kandidaten finden werden, so dürften auch für diesen Typus im Wege des Kredits höchstens 900 Pfund erforderlich sein. Vielleicht kann sogra, wenn wir die Kredite nicht einzelnen geben, sondern uns an privaten Pflanzungsgeseillschaften, wie zum Beispiel der von Dr. Brünn*) vorgeschlagenen, beteiligen, der Betrag pro Familie noch weiter heruntergesetzt werden. Daneben aber sehe ich die Möglichkeit für einen dritten Typus, den ich als den Typus des Arbeitersiedlers bezeichnen möchte. Sie erinnern sich vielleicht, daß wir früher einmal viel von dem Typus des Häuslers in den Kolonien gesprochen haben, das heißt von einem Arbeiter, der von Lohnarbeit lebt, aber daneben ein Häuschen und ein bis zwei Dunam Boden für Gemüsezucht für den eigenen Bedarf haben soll. Ich muß Ihnen leider sagen, daß dieser Typus sich als ein Mißerfolg herausgestellt hat, und zwar aus psychologischen Gründen, Unsere Juden wollen nicht ewig Arbeiter bleiben. Sie sind bereit, während eines Uebergangsstadiums Arbeiter zu sein, aber sie wollen den *) Siehe den Artikel von Dr. Brünn in Nr. 8/9.