Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Die Grundprobleme des Aufbaues Palästinas
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 470 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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470 hat. Unsere palästinensischen Agronomen, die Herren Wilkansky, Oettinger, Smiliansky, empfehlen Siedlungen auf der Basis des Orangenbaues auf das wärmste. Es ist möglich, daß wir außer der Orange in Palästina noch andere Produkte finden, für die Palästina durch seine klimatischen Bedingungen besonders geeignet ist und für die außerhalb Palästinas ein Markt besteht. Vielleicht gehören hierher Tafeltrauben, Bananen, bestimmte Gemüsesorten. Aber es wäre ein schwerer Fehler, wenn wir neue Siedlungen auf der Basis dieser Produkte gründen würden, falls wir nicht vorher Gewißheit darüber haben, daß diese Produkte im Auslande zu rentablen Preisen abgesetzt werden können. Sie wissen, daß von uns, zum Teile mit Hilfe der palästinensischen Regierung, Versuche gemacht werden, um die Transport- und Absatzfähigkeit der Tafeltrauben und bestimmter Gemüsesorten im Auslände zu erproben. Wenn wir hierüber Gewißheit haben, wird die Zeit gekommen sein, den Anbau dieser Produkte in unseren Siedlungen zu propagieren. - Ein Wort noch über die Kwuzah. Ich möchte ausdrücklich feststellen, daß die Zionistische Organisation in keiner Weise auf die Kwuzah als alleinige soziale Form eingeschworen ist. Nach einer Aufstellung, die bis zum November 1926 reicht, hatte die Zionistische Organisation insgesamt für die Kwuzoth 282.000 Pfund, für die Moschwei Owdim und andere Kolonien bürgerlicher Ansiedler 300.000 Pfund ausgegeben. Sie hält also zwischen der Form der Kwuzoth und der Form der individuellen Siedlung das Gleichgewicht aufrecht. Ich selbsf bin nicht weniger stolz darauf, bei der Gründung von Nahalal und Kfar Jecheskiel mitgewirkt zu haben, als bei der Gründung von Daganiah und Kinereth. Ich weiß nicht, ob die Kwuzah in der Zukunft alle Hoffnungen erfüllen wird, die die in den Kwuzoth (lebenden Siedler an diese Form knüpfen. Aber das eine weiß ich, daß in der Vergangenheit die Form der Kwuzah uns außerordentlich wertvolle Dienste geleistet hat. Bei dem Mangel an Schulen zur landwirtschaftlichen Ausbildung haben die Kwuzoth uns als ein Surrogat für die landwirtschaftlichen Schulen gedient, und aus ihnen sind die besten unserer landwirtschaftlichen Siedler, sogar diejenigen, die später in die Moschwei Owdim eingetreten sind, hervorgegangen. Ich sehe auch heute noch nicht, wie wir ohne die Kwuzoth imstande sind, unseren Einwanderern das notwendige landwirtschaftliche Training zu geben. Es gibt in Palästina nur eine einzige landwirtschaftliche Schule, und die Unterweisung in den Pflanzungskolonien ist außerordentlich einseitig. Nur in den Kwuzoth konnte bisher der junge Arbeiter den ganzen vielseitigen landwirtschaftlichen Betrieb kennen lernen. Ich hoffe allerdings, daß es daneben gelingen wird, bei den einzelnen Siedlern in den Moschwei Owdim junge Leute als Lehrlinge unterzubringen und dadurch die Möglichkeit zur landwirtschaftlichen Ausbildung zu erweitern.