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Palästina · 1927-01-01 · Heft 10-11 · p. Seite 469

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 10-11
Article
Die Grundprobleme des Aufbaues Palästinas
Date
1927-01-01
Page
Seite 469 (sequence 7)
Language
German
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469 ein so hoher Prozentsatz von Händlern unter ihnen zu einer Katastrophe führen. Unser Aufbauwerk gleicht dem Vormarsch einer Armee. Keine Truppengattung darf allein vorrücken. Nur im Zusammenhang mit den anderen Truppengattungen ist ihr Vorgehen möglich. Ohne den Schutz der schwer beweglichen Artillerie sind die Infanterie und Kavallerie ohnmächtig. Unsere Artillerie ist die Landwirtschaft. Sie bestimmt durch das Tempo ihres Vorrückens auch das aller unserer anderen Tätigkeitszweige. Mit einer gesunden Landwirtschaft als Basis werden sich auch Industrie, Handel und Bauwesen in den Städten entwickeln. Wenn wir -uns ein Land zum Muster nehmen, das wie Dänemark oder die Schweiz durch den Mangel an Metallen und Kohle Palästina ähnlich ist, so finden wir in der Landwirtschaft 26 Prozent und 35 Prozent der Bevölkerung tätig. Mir scheint, daß ungefähr in dieser Proportion auch die Juden in Palästina, in der Landwirtschaft vertreten sein müssen. Heute haben wir nur 15 Prozent, und diese Basis ist für unsere Wirtschaftspyramide zu schwach. Man hat kritisiert, daß wir in Palästina als landwirtschaftliche Betriebsform die sogenannte gemischte Wirtschaft eingeführt. haben. Im Mittelpunkt der gemischten Wirtschaft steht die Milchproduktion. Ich erinnere mich, daß vor 20 Jahren in ganz Palästina nur ein Gefühl der Entrüstung darüber herrschte, daß unsere Siedlungen keine Milch produzierten und der ganze Milchbedarf von nichtjüdischer Seite gedeckt wurde. Wir haben dann begonnen, den Milchbedarf in immer steigendem Maße aus unseren eigenen Siedlungen zu decken, aber wir sind damit durchaus noch nicht am Ende. Der Bedarf an frischer Milch ist noch immer viel größer als die Produktion. In Europa konsumiert man vier- und fünfmal soviel Milch pro Kopf wie die Juden in Palästina. Der Milchpreis ist in Tel-Awiw mit 11 Piaster per Rotte! doppelt so hoch wie itf London, dreimal so hoch wie in Berlin und fünfmal so hoch wie in Paris. Die deutschen Kolonien in Palästina sind durch die Milchproduktion reich geworden. Gerade frische Milch ist durch ihre leichte Verderblichkeit ein Produkt, in dem es schwer ist, vom Auslande Konkurrenz zu machen, »und daher ist es solange der Inlandmarkt für Milch aufnahmefähig ist und hohe Preise zahlt, vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt eine Selbstverständlichkeit, daß wir uns der Deckung dieses Bedarfes zuwenden. ■ Ich behaupte, daß die gemischte Wirtschaft unter den heutigen Verhältnissen Palästinas eine nach jeder Richtung wohldurchdachte und angemessene Betriebsform ist, aber ich behaupte nicht, daß sie immer die einzige Betriebsform bleiben muß. Insbesondere muß nach den Erfahrungen der -letzten Jahre die hochwertige Palästinaorange als ein Produkt gelten, für das Palästina durch seine klimatischen Verhältnisse ein natürliches Monopol besitzt und das sogar bei einer stark gesteigerten Produktion einen gesicherten Markt

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