Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Die Grundprobleme des Aufbaues Palästinas
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 471 (sequence 9)
- Language
- German
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471 Ein anderer Vorwurf gegen unsere Siedlungen richtet sich gegen die hohen Ansiedlungskosten. Ueber die Frage, wieviel die Ansiedlung eines Siedlers kosten darf, läßt sich aus der reinen Theorie überhaupt nichts sagen. Wir können nur durch Vergleiche mit anderen Ländern zu einem Urteile kommen. Hierbei sehenl wir, daß die Ansiedlung eines Landwirtes in England, Kanada, Südafrika, Australien, Deutschland in keiner Weise weniger, sondern mehr kostet als in Palästina. Wir rechnen in Palästina, wie Sie wissen, einchließlieh des Bodens, mit Ansiedlungskosten von 1100 Pfund pro Siedler, und ich bin sicher, daß wir diesen Betrag auf 10O0 Pfund oder noch etwas weiter herunterbringen könnten, wenn die Ansiedlung in einem großen Maßstabe und mit bereiten Geldmitteln erfolgt. In all den übrigen von mir genannten Ländern kostet die Ansiedlung nicht nur 1100, sondern 1200, 1500;und sogar 2000 Pfund. Ich kenne nur zwei Beispiele einer großen Kolonisation, in denen die Ansiedlung billiger ist. Das eine ist die griechische Kolonisation, das andere die neue jüdische Kolonisation in Südrußland und der Krim. In Griechenland, dessen Siedlungen ich im Jahre 1925 besuchte, werden außer dem Boden die gesamten Ansiedlungskosten nur auf 152 Pfund geschätzt. Nun bin ich weit davon .entfernt, die Leistungen der Refugees Settlement Commission in Griechenland herabzusetzen. Sie hat eine gewaltige Leistung vollbracht. Aber sie ist mit unseren Aufgaben in Palästina deshalb so schwer zu vergleichen, weil 1. die Regierung den Siedlern sofort Land im Werte von 26 Millionen Pfund überlassen konnte; 2. die Ansiedler seit Generationen Landwirte waren; 3. weil es Familien mit vielen und gelernten Arbeitskräften (Kindern und Alten) sind, während unsere Siedler in der Regel nur ein bis zwei Arbeitskräfte haben; 4. weil sie in Griechenland genau dieselben Landwirtschaftsmethoden befolgen konnten, die sie von ihrem früheren Aufenthalt in der Türkei gewohnt waren und nicht nötig hatten, wie wir in Palästina, neue Methoden zu suchen; 5. weil sie keinen europäischen; sondern von Kleinasien her einen orientalischen niedrigen Standard of life hatten; weil sie ferner 6. zu einem großen Teil in die von den Türken verlassenen Farmen in Griechenland hineinkommen konnten. 51.000 solche Farmen im eWrte von 4000 Millionen Drachmen, d. h. etwa 12 Millionen Pfund, waren für die Ansiedlung unentgeltlich zur Verfügung. Die landwirtschaftliche Kolonisation in Griechenland war also nicht wie bei uns ein Ansiedlungs-, sondern mehr ein Uebersiedlungsproblem. Dazu kommt noch 7., daß sie nicht nur die aktive Unterstützung der griechiscchen, Regierung und des Völkerbundes, sondern auch die Sympathie des gesamten griechischen Volkes auf ihrer Seite hatte. Letzterer Umstand drückt sich z, B. darin aus, daß außer den Kosten, welche die Refugees Settlement Commission für die Ansiedlung der Flüchtlinge ausgegeben hat, die griechische Regierung in den Jahren von 1912