Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 10-11
- Article
- Die Grundprobleme des Aufbaues Palästinas
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 467 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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467 Arbeiterstand vergleichen kann, und wir sollten es uns deshalb sehr überlegen, die Meinung der Arbeiter, insbesondere in der Frage, wie sie ihr eigenes Leben in Palästina sozial gestalten wollen, von obenherab zu behandeln. Ich glaube, daß die bürgerlichen Zionisten um so weniger Grund haben, die Fehler, die -die Arbeiter gemacht haben, zu übertreiben, als den Fehlern der Arbeiter mindestens ebensoviele Fehler der bürgerlichen Zionisten gegenüberstehen und die bürgerlichen Zionisten in keiner Weise den Befähigungsnachweis dafür erbracht haben, daß sie berufen sind, über die Arbeiter zu Gericht zu sitzen. Man redet so viel und immer wieder von neuem über den Solei Boneh. Es ist wahr, der Solei Boneh hat der Zionistischen Exekutive ein gutes Stück Geld gekostet; aber ich wäre sofort imstande, Ihnen ein haloes mutzend bürgerlicher kapitalistischer Unternehmungen zu nennen, welche der Zionistischen Organisation oder den zionistischen Instituten das Doppelte gekostet haben. Warum erwähnen Sie, wenn Sie vom Solei Boneh sprechen, nicht auch die Arbeiterbank, die inmitten der Stürme der letzten zwei Jahre es verstanden hat, ihre Aktiva zu erhalten? Und schließlich gibt es noch einen dritten Differenzpunkt zwischen mir und den Vertretern der Wirtschaftlichkeit. Das ist die andere Wertung von Geld einerseits und vo<n persönlichen Leistungen andererseits. Es ist nicht angebracht, sich in unserem Kolonisationswerk von dem jüdischen Sprichwort leiten zu lassen: „Wfer Geld gibt, ist der Herr". Dieses Verhältnis von Befehlen und Gehorchen kann nicht aus den ganz andersartigen europäischen Verhältnissen in unser Siedlungswerk in Palästina übertragen werden. Vielmehr muß der Arbeiter, der zwar kein Geld, dafür aber persönliche Leistung, Gesundheit und Zukunft aufs Spiel * setzt, zumindest als ein durchaus ebenbürtiger Partner betrachtet werden. Ich glaube, daß der allmählich notwendige Uebergang vom Pioniertum zur Wirtschaftlichkeit bereits jetzt auf dem Marsch ist. Die Buchführung, die manche unserer Siedler in Nahalal aus freien Stücken führen, gibt über jeden Pfennig ihrer Einnahmen und Ausgaben Auskunft und könnte vielen bürgerlichen Landwirten zum Muster dienen. Ich habe Amerikaner sagen hören, daß es in Amerika wenige Farmer geben dürfte, die über den Stand ihrer Einnahmen und Ausgaben so genau orientiert sind. Das sind zweifellos Anzeichen eines Fortschrittes zur Wirtschaftlichkeit. Wenn Sie die Rede Arlosoroffs gehört und die Verhandlungen auf der letzten Konferenz der Arbeiterorganisation in Palästina gelesen haben, so werden Sie sehen, daß heute der Geist der Wirtschaftlichkeit bei den Arbeitern -auf dem Marsche ist. Die Arbeiter selbst haben, ihre wirtschaftlichen Mißerfolge schwer kritisiert. Ich würde es für einen Fehler halten, wenn wir diese natürliche