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Palästina · 1927-01-01 · Heft 8-9 · p. Seite 439

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Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 8-9
Article
Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
Date
1927-01-01
Page
Seite 439 (sequence 3)
Language
German
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439 müßte. Die eigentümliche Tatsache, daß der Kongreß aus Delegiertenbesteht, die nicht selbst für die .Einnahmenseite des Budgets verantwortlich sind, bringt es mit sich, daß unter Aufbietung aller parlamentarischen Möglichkeiten der Parteikonstellation die einzelnen -Gruppen sich bemühen, Erhöhungen des Budgets durchzusetzen, ohne zu bedenken, daß diese nur auf dem Papier stehen würden. Es hat auch den Anschein, daß verschiedene Projekte einer nationalen Anleihe auf dem Kongreß vorgebracht werden würden. Es bleibt aber abzuwarten, ob darunter ein Vorschlag ist, der so gründlich durchgearbeitet ist, daß er als eine reale Unterlage der zionistischen Finanzpolitik in Betracht kommt. sin den letzten Wochen ha'ben in allen Ländern die Wahlen zum Zionistenkongreß stattgefunden. Sie zeigen ein starkes Anwachsen der weltanschaulich abgegrenzten Gruppen, vor allem der religiös-orthodoxen Partei Misrachi und der Arbeiterparteien Poale Zion und Hitachduth. Die sogenannten allgemeinen Zionisten, die in früheren Zeiten die große Mehrheit der Bewegung bildeten, haben viel an Anhang verloren. In manchen Ländern, wie Polen, ist" der Zionismus überhaupt sehr zurückgegangen, was zum Teil mit der Rückwanderung aus Palästina zusammenhängt, die die frühere stark palästinafreundliche Stimmung beeinträchtigt hat. Innerhalb der allgemeinen Zionisten ist in Polen am stärksten die Gruppe Eth Liwnoth, die sich als Repräsentantin des Mittelstandes und seiner Palästinainteressen fühlt. In Mitteleuropa haben die allgemeinen Zionisten sich unter dem Namen „Linkes Zentrum'4 gruppiert, das einerseits für wirtschaftliche Sanierung und Konsolidierung eintritt, anderseits aber die nationale Bedeutung der Arbeiterschaft anerkennt und gegen arbeiterfeindliche Tendenzen Stellung nimmt. In Palästina wurden von 27 Delegierten mehr als die Hälfte Arbeiter gewählt, von der anderen Hälfte ist die stärkste Gruppe die sogenannte bürgerlich-nationale Vereinigung Interessenvertreterin des Mittelstandes mit fünf Mandaten. Charakteristisch für die Wahlen in allen Ländern ist die Niederlage der Revisionisten und Radikalen, die in schärfster Opposition zur gegenwärtigen Leitung und zu Dr. Weizmann stehen, vor allem aus Gründen der äußeren Politik und wegen ihrer Gegnerschaft gegen das Projekt der Erweiterung der Jewish Agency. Nachdem diese eigentlich politische Opposition beinahe zur Belanglosigkeit zusammengeschmolzen ist, dürfte die Gruppierung des Kongresses sich fast ausschließlich nach der Stellung zu den finanzpolitischen und ökonomischen Fragen vollziehen. Das einzige Land, wo keine regulären Wahlen vorgenommen wurden, ist Amerika. Dort wurde die Delegation von dem Landeskomitee ernannt. Die Zionistische Organisation Amerikas hat gleichfalls kritische Wochen hinter sich. Die Jahreskonferenz in Atlantic City erwies das Vorhandensein einer Opposition, die jedoch, wie es scheint, weniger von programmatischen und prinzipiellen Fragen ausgeht, als vielmehr die ganze Art und Weise der Geschäftsführung bekämpft. Ein Haüptfaktor dieser Opposition ist die Frauenorganisation Hadassah, deren organisierte Mitglieder mehr als die Hälfte der ganzen Zionistischen Organisation Amerikas ausmacht. Die Leitung der Hadassah steht der sogenannten Brandeis-Gruippe mähe, und man sprach davon, daß die 1921 ausgeschiedenen damaligen amerikanisch-zionistischen Führer wieder in führende Stellungen zurückkehren sollten. Nach den Erklärungen der Hadassah war jedoch ein solcher Plan auch ihr zu weitgehend, da sie der Ansicht ist, daß die jetzigen Führer der Bewegung sich in den letzten sechs Janren große Verdienste erworben haben und es keineswegs eines radikalen Personenwechsels bedarf, sondern lediglich einer Aenderung gewisser organi satorischer Methoden. Das Resultat der Konvention, war die Bildunk einer neuen Leitung, der keine Beamten angehören, und ein Beschluß, der die Inkompatibilität von Beamtenposten und Mitgliedschaft im Exekutivkomitee festlegt. Nur bezüglich des Präsidenten Lipsky wurde eine Ausnahme gemacht. Eine Reihe von Persönlichkeiten, die der Opposition an-

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