Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 438 (sequence 2)
- Language
- German
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438 studieren sollte, ist bereits seit mehreren Wochen an der Arbeit. Einer der Vizepräsidenten der Kommission, Dr. Lee K. Frankel, hat Palästina besucht und begab sich sodann nach Berlin und London, um mit den anderen Mitgliedern des Präsidiums, Sir Alfred Mond und (Direktor Oskar Wassermann, zu verhandeln. Dieses Präsidium wird den Bericht, der von den eigentlichen Experten zusammengestellt wird,, in seiner endgültigen Fassung, zu unterzeichnen haben. Es liegen bereits heute mehrere Teilgutachten von Sachverständigen vor, doch sind die wichtigsten Experten, Prof. Mead und Prof. Li p mann, erst Ende August in Palästina eingetroffen. Die zionistische Exekutive und die Palästinaregierung unterstützen in jeder Weise die Arbeiterexperten. Nach den Erklärungen von Dr. Frankel wird der Bericht einen Arbeitsplan für die nächsten zehn Jahre aufstellen. Das innere' Leben der Zionistischen Organisation steht im Zeichen des herannahenden XV. Zionistenkongresses. Man ist sich, bewußt, daß der Kongreß vor äußerst schwierigen Problemen stehen wird, da die finanzielle Lage der Zionistischen Exekutive infolge der Wirtschaftskrise und der das zionistische Budget belastenden Arbeitslosigkeit eine sehr bedrohliche ist. Die geschaffene Lage 'hat der zionistischen Leitung Aufgaben aufgebürdet, denen sie nicht gewachsen sein konnte; sie hat unter Zurückstellung der eigentlichen Kolonisationsarbeit sich in dem letzten Jahre auf Notstandshilfe beschränken müssen, aber auch dieses Hilfswerk nahm immer größere Dimensionen an, so daß gegenwärtig ein geradezu kritischer Punkt erreicht ist, wo auch die Fortsetzung dieses Hilfswerkes finanziell unmöglich geworden ist, ganz abgesehen davon, daß ja die Zionistische Organisation als Jewish Agency ganz andere Aufgaben hat, als eine Bevölkerung notdürftig zu erhalten, ohne dauernde Erwerbsquellen zu schaffen. Der Zionistenkongreß, der am 30. August in Basel eröffnet wird, wird vor der Frage stehen, wie die Organisation sich von diesen unproduktiven Lasten befreien kann, ohne chaotische Zustände in Palästina herbeizuführen. Schon die Sitzung des Aktionskomitees im Mai dieses Jahres zeigte sich unfähig, dem Problem beizukommen, ja sie vermochte es nicht einmal, seinen wirklichen Ernst zu erfassen. Das Aktionskomitee half sich vielmehr durch einen Beschluß, es solle eine Anleihe des Keren Hajessod von Pfd. Sterl. 140.000 aufgenommen werden, um Notstandsarbeiten für ein halbes Jahr durchzuführen und die Arbeitslosenunterstützung wenigstens in Jerusalem, Haifa und Afule abzubauen, während man für Tel-Awiw vorläufig keinen Ausweg weiß. Eine Kommission sollte die definitive Lösung der Frage studieren und dementsprechend das Budget für das nächste Jahr vorbereiten. Diese Beschlüsse des Aktionskomitees stehen jedoch nur auf dem Papier, da weder die Anleihe, noch die Kommission zustande kam. Der Kongreß wird sich mit solchen Scheinlösungen nicht zufrieden geben können und er wird, daher vor der Notwiendigke.it stehen, drastische Maßnahmen zu ergreifen, "wie sie in jedem Staatswesen und in jeder finanzielle Verantwortung tragenden öffentlichen Körperschaft in einem solchen Fall unvermeidlich sind. Die zionistische Oeffentlichkeit hat freilich bisher die Notwendigkeit' eines solchen ernsten und realpolitischen Verhaltens nicht begriffen, weil der Zionismus infolge seiner ganzen Vergangenheit und auch durch seine eigentümliche Situation in der jüdischen Weit noch immer vor allen Dingen auf Propaganda eingestellt ist. So schreckt man vor Schritten zurück, die eine propagandistisch ungünstige Note haben und schwer einzureihen sind in jene psychologischen Phänomene, die bisher den Hauptbestand des Zionismus bildeten. Aus dieser inneren Lage werden sich zweifellos auf dem Kongresse schwere Konflikte ergeben. Die Hauptschwierigkeit liegt in dem heuen Budget der Palästinaarbeit, das auf Grund der erfahrungsgemäß zu erwartenden Einnahmen und unter Berücksichtigung der bereits vorhandenen Schulden und Belastungen beinahe um die Hälfte gegenüber dem Vorjahr reduziert werden