Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 437 (sequence 1)
- Language
- German
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437 Rundschau. Jewish Agency. Von Dr. Robert W e 11 s c h, Berlin. Die Mandatskommission des Völkerbundes hat über ihre Tagung, die vom 20. Junr bis 6, Juli in Genf stattfand, dem Völkerbundsrat einen Bericht vorgelegt* in welchem sie auch eine Reihe von Bemerkungen und Referaten über Palästina einschließt. Die Zionistische Organisation als Jewish Agency hat bekanntlich ein Memorandum vorgelegt, worin über die Fortschritte des jüdischen nationalen Heimes im letzten Jahre berichtet wird und auch eine Reihe von Wünschen bezüglich der Erfordernisse der weiteren Entwicklung geäußert werden. Die englische Regierung hat als Mandatarmacht gleichfalls einen Bericht ausgearbeitet, der, abgesehen von den einzelnen Verwaltungszweigen, auch im be-< sonderen das jüdische Siedlungswerk behandelt. In allen diesen Berichten wird die wirtschaftliche Depression des letzten Jahres dargestellt, die, wie die englische. Regierung betont, durch die schlechte finanzielle Lage der jüdischen Bevölkerung im Vergleich mit dem Vorjahr hervorgerufen war. Dies hatte auch einen Rückgang der Steuer- und Zolleinnahmen zur Folge, und es hat sich gezeigt, daß diese Einnahmen bei der Eigenart der Palästina-Verwaltung keineswegs als stabil zu betrachten sind. Die Regierung verteidigt sich in ihrem Berichte auch gegen die Vorwürfe, sie verhalte sich gleichgültig oder hemmend zu der neuen Kolonisation.. Dies sei nicht der Fall, wohl aber müsse die Regierung sich vor überstürzter und übermäßiger .Kolonisationspolitik hüten und die Aufnahmsfähigkeit des Landes peinlich respektieren. Die jüdischen Kolonisten haben wohl mit einem Teil ihrer Unternehmungen Mißerfolge erlitten, sie müßten jedoch verstehen, daß die Zeit der wichtigste Faktor für die Entwicklung eines solchen Werkes ist. Die Entwicklung müsse notwendig langsam gehen, es werde aber die Zeit kommen, wo Palästina eine weit größere jüdische Bevölkerung als jetzt werde erhalten können. Die Regierung ist der Ansicht, daß die Jewish Agency dafür sorgen soll, zunächst die gewonnenen Positionen in Landwirtschaft, Industrie und Handel zu konsolidieren. In einem Lande wie Palästina können nicht mit einem Schlage prosperierende Unternehmungen geschaffen werden, sie müssen, durch das Stadium tastender Versuche, das notwendig auch Rückschläge mit sich bringt, hindurchgehen. Die Mandatskommission hat im allgemeinen die Erklärungen der Regierung als befriedigend zur Kenntnis genommen. Sie hat dies auch in jenen Punkten getan, die kontrovers und von einem Teil der interessierten Parteien angefochten sind. So z. B. hat sie der in dem zionistischen Memorandum erhobenen Forderung nach Steuererleichterungen für neue Siedler die Ansicht der Regierung entgegengehalten, daß eine vorzugsweise Behandlung einer bestimmten Gruppe von Landwirten unmöglich sei. Eine allgemeinere Form des Steuersystems sei ohnedies in Vorbereitung. Das zionistische Memorandum hatte freilich seine Forderung -nicht auf das den jüdischen Siedlern nach dem Mandate zustehende Recht auf Vorzugsbehandlung gestützt, sondern nur auf die allgemeine Erwägung einer weitausschauenden produktionsfördernden Politik, die in allen Kolonialländern üblich ist. Die Mandatskommission hat auch die beiden arabischen Memoranda, die ihr vorlagen, abschlägig beschieden. Es wird darauf hingewiesen, daß das Memorandum der arabischen Exekutive gegenüber den früheren Petitionen im Tone gemäßigter, ist und daß eine Annäherung nicht mehr so weit zu sein scheint wie früher. Die Kommission betont jedoch, daß die Regierung darin fortfahren möge, Selbstverwaltungsinstitutionen zu entwickeln, nachdem der Anfang durch die demokratischen Wahlen der Munizipalitäten gemacht worden ist. Die Expertenkommission, die gemäß der Vereinbarung zwischen Dr. Weizmann und Louis Marshall die Besiedlungsmöglichkeiten Palästinas