Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Mittelstandskolonisation
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 415 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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415 und bereit wären, nach Palästina auszuwandern, sofern sich dort gute Existenzbedingungen bieten. Auf der anderen Seite haben wir die Aufgabe und die Verpflichtung, das Land in einer kurzen Spanne Zeit zu besiedeln. Jeder Monat,- jedes Jahr, das ungenützt verstreicht, kann für unser Ziel zum Verhängnis werden. Muß man nicht in dieser ernsten »Situation unsere Mittel zusammenhalten, muß man da nicht mit den Ausgaben einen größtmöglichen Effekt zu erzielen suchen, muß man nicht, auf den Erfahrungen fußend, das Nächstliegende, Einfachste, Wahrscheinlichste wählen?! Ja, aber... das verdammte Aber. Kein Aber!! Das . Natürliche und Nächstliegende für unsere Organisation ist es in diesem Augenblick, das bisherige einseitige landwirtschaftliche Kolonisationssystem abzubauen und dafür Sorge zu tragen, daß alle jüdischen Schichten in das Kolonisation swerk einbezogen werden. Die Förderung der Mittelstandssiedlungen auf Basis des Obst-, speziell des Orangenbaues wäre hiezu der erste Schritt. Die doppelte Moral muß ein Ende haben, daß man sich auf der Qinen Seite für füll equipement sorgt, und auf der anderen Seite für landwirtschaftliche Kredite kein Geld zu haben ist, höchstens lächerlich kleine Summen bewilligt werden. (Ut aliquid fieri videatur.) Ich verhehle mir nicht, daß bei den bestehenden Verpflichtungen die Abkehr nur allmählich erfolgen kann. Aber auf die sem Ko ngreß muß ein Anfa n g gemacht w erde n. Ein Viertel des landwirtschaftlichen Budgets muß und kann für Mittelstandskolonisation abgezweigt und in einer Weise sichergestellt werden, daß es für andere Zwecke nicht verausgabt werden kann. Angenommen, der landwirtschaftliche Etat beträgt Pfd. 240.000, so müßten Pfd. 60.000 für mittelständische Siedlungen jährlich bereitgestellt werden, zur einen Hälfte für Kredite von Pfd. 300 bis 500, zur ianderen Hälfte zur Gründung und Unterstützung von Pflanzungsgesellschaften. Kredite sollen zum Beispiel an Siedler gehen, die sich einen kleinen Orangengarten anlegen wollen. Wieviele solcher gibt es, die Haus, Boden und Wirtschaft haben und sich keinen Brunnen anlegen können. Man könnte drei, vier Siedler zu einer Gruppe zusammenfassen und ihnen mit viermal Pfd. 300 -zu einer Bewässerungsanlage verheJfen, xund man darf damit rechnen, daß das Geld nicht verloren ist, sondern nach zehn Jahren allmählich wieder eingehen wird. Kredite sollen ferner solchen Leuten in Aussicht gestellt oder gegeben werden, die von einer Pflanzungsgesellschaft ein Anwesen erwerben wollen und nur über einen Teil des notwendigen Kapitals verfügen. Es ist nicht angängig, die Siedler mit der berühmten Agrarbank zu vertrösten, die bereits seit zwanzig Jahren kommen soll oder auf andere Kreditmöglichkeiten zu verweisen, die nur in der Theorie bestehen. Mit den anderen Pfd. 30.000 sollen Pflanzungsgesellschaften