Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Mittelstandskolonisation
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 414 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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:<&4 sacht haben, die Rückschläge bei der IV. Alijah, die Hunderte von enttäuschten Rückwanderern, welche ihr Kapital drüben eingebüßt haben und abschreckende Beispiele sind, alles zusammen hat eine Atmosphäre gezeitigt, die einer Werbung für irgend einen, auch den besten Zweck abträglich ist. Selbst unsere alten Zionisten sind wankend geworden. Alle Parteien sind sich darüber einig, zu reformieren, zu-ändern. Aber wie oft ist man nicht schon mit solchen Absichten zum Kongreß gefahren, ohne daß eine merkliche Systemänderung durchgeführt wurde. Wenn wir das Fazit der letzten sechs Jahre ziehen, auch wenn wir von jeder Kritik absehen — es ist beinahe entmutigend klein. 4500 Personen will der Keren Hajessod in den letzten sechs Jahren in der Landwirtschaft untergebracht haben. Auch wenn wir annehmen," was leider nicht zutrifft, daß alle neuen Siedler existenzfähig wären, so entspräche eine derartige Leistung weder unseren Hoffnungen, noch unseren Erwartungen, <und ich sage, auch nicht unseren Möglichkeiten, wenn wir den Mittelstand mobilisiert hätten. Die guten Aussichten des Pflanzungsbaues sind nicht etwa eine Erscheinung der neuesten Zeit, oder von mir entdeckt worden, wenn ich auch immer wieder erfolglos darauf hingewiesen habe. Ruppin hat schon vor dem Kriege den Pflanzungsbau propagiert; allerdings den damaligen Verhältnissen entsprechend, mehr nach Plantagenart, mehr zum Zwecke des B'odenverkaufs, zur Beschäftigung von Arbeitern und Kolonisten, mehr zur Kapitalsanlage, weniger zur Existenzgrundlage, und persönlicher Niederlassung. Nach dem Kriege hat man den Pflanzungsbau unbeachtet fliegen lassen, obwohl ich bereits vor sechs Jahren auf seine Chancen aufmerksam gemacht habe. Man hat sich in dem Wunsche, neue Kolonisationsformen zu schaffen, derartig festgerannt, man hat alle Einwendungen überhört und ignoriert, und man ist in der. Auswahl des Ansiedltungsmaterials von derart einseitigen Gesichtspunkten vorgegangen, unter völliger Ausschaltung, und Zurückstoßung anderer Schichten, wie sie in parlamentarisch regierten Körperschaften ohne Beispiel dastehen. Wie das alfl'es möglich war, wie es gekommen ist, wer es veranlaßt hat, wer getrieben wurde, läßt sich bei unseren verwickelten Verhältnissen nicht einmal mit Sicherheit feststellen. Wie gesagt, wir können und müssen heute an die Förderung des Pflanzungsbaues unter anderen Gesichtspunkten herangehen. Wir haben durch die Balfour-Deklaration ein öffentliches Recht zur Ansiedlung, wir haben eine moderne, geregelte Verwaltung, gute Sicherheitsverhältnisse, bessere Verkehrs- und Transportbedingungen, kurz gleiche Voraussetzungen wie andere Länder der englisch sprechenden Wfelt, und wir haben Tausende von jüdischen Familien^ besonders im Osten, die durch die Kriegsfolgen entwurzelt sind