Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 395 (sequence 33)
- Language
- German
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395 sehlaggebend ist, daß man nicht versuchen kann, sie zuerst auf einen Generalnenner zu bringen, der, gerade in den Jahrzehnten der Uebergangsperiode, aus wirtschaftlichen Gründen nicht gefunden werden kann.-Die arabische Arbeiterorganisation muß von der Basis der unter den arabischen Arbeitern gegebenen Lebensverhältnisse ausgehen, sie muß auch an die unter ihnen , gegebene Vorstellungswelt anknüpfen und von diesem Ansatzpunkt aus ein System der den gegebenen Bedingungen angepaßten gewerkschaftlichen Politik aufbauen. Von dieser Grundlage ausgehend, kann sie durch vielleicht 'langwierige Erziehungs- und Organisierungsarbeit allmählich dazu (kommen, den arabischen Lahn erst zu standardieren und nach und nach zu erhöhen, die Arbeitszeit zu normieren und nach und nach zu verkürzen, die Bedingungen von Kinderarbeit und Frauenausbeutung, die ein hervorstechendes Merkmal aller orientalischen Wirtschaft sind, zu regulieren und nach und nach einem europäischen Niveau anzunähern. Viele Hindernisse, Ueberbleibsel sozialer Traditionen und religiöser Vorstellungen des Islams sind dabei erst aus dem Wege zu räumen. Die jüdische Arbeiterorganisation in Palästina geht natürlich in jedem Detail ihrer Arbeit von einem grundlegend anderen Ansatzpunkt aus. Der Lebensstandard, das Kulturniveau, der Grad organisatorischer und politischer Reife, an den sie anzuknüpfen hat, sind europäisch. In ihrer Ebene handelt es sich vor allem darum, diesen Standard in einer-immer breiter fließenden Immigration und gegen die Wirtschaftsumgebung zu behaupten und zu festigen, bis er im Laufe der Entwicklung zum landesüblichen Standard geworden sein wird. Hier steht neben und vor der gewerkschaftlichen Aktion das ganze Problem der Arbeiterkolonisatio n, das den Mittelpunkt und den besonderen Charakter der jüdischen Arbeiterbewegung in Palästina bildet Auch die Erfüllung der Aufgaben, die sich daraus ergeben, ist nur durch eine autonome Tätigkeit der jüdischen Organisation zu sichern. Das braucht nicht auszuschließen, daß für diejenigen Aufgaben, die heute schon den Arbeitern beider Völker wirklich gemeinsam sind —. es handelt sich dabei vor alüen Dingen um eine gemeinsame .Stellung gegenüber der Mandatsregierung in einigen elementaren Fragen der Arbeitsgesetzgebung, der Sozialversicherung und des Kinder Schutzes — ein Organ geschaffen wird, das ad hoc den Kontakt zwischen den beiden selbständigen Arbeiterorganisationen herstellt und ein gemeinsames Vorgehen ermöglicht. Es ist auch wahrscheinlich, daß, je weiter das Siedlungswerk fortschreitet und die wirtschaftlichen Produktivkräfte des Landes sich entwickeln, auch das Tätigkeitsfeld und die Kompetenzen dieses Kontaktausschusses sich immer wieder erweitern werden. Aber der Fortschritt im Zusammenschluß und die Einengung der Autonomie der nationalen Organisationen wefden dann das Resultat einer organischen Entwicklung sein, die mit dem Wachstum' der1 söziälen