Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 394 (sequence 32)
- Language
- German
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394 seine Verdrängung zum Ziele habe. Der organisierte Arbeiter überhaupt, stets unter dem Druck des billigen Arbeitsangebotes' von der Straße und von den Landesgrenzen, von einem unerschöpflichen Reservoir unorganisierter Arbeit her. Alle diese Widersprüche müßten von innen heraus die Einheitsorganisation sprengen. Dann aber müßte eine Erscheinung auftreten, deren Tragweite unter den Bedingungen unserer Arbeit kaum abzusehen ist. Jeder mißglückte Versuch einer Aktion, jeder erfolglose Streik, jede vergebliche Intervention bei der Regierung muß dann zu einem neuen Herd nationalen Hasses und nationaler Leidenschaften werden. Wie Otto Bauer in seinem grundlegenden Werkzur Nationalitätenfrage nachgewiesen hat, würde ja unter diesen Verhältnissen jeder soziale und ökonomische Konflikt zwischen den Arbeitern der verschiedenen Kategorien seines sozialen und ökonomischen Gehalts entkleidet und in seiner nationalen Erscheinungsform auftreten. Die wirtschaftlichen Interessengegensätze müssen so in nationalen Kampf umschlagen. Sie bekommen durch den nationalen Gegensatz eine sinnfällige, für jeden einzelnen, auch den primitivsten Menschen, selbst ohne Ideologie und theoretisches Verständnis unmittelbar greifbare Gestalt. Weit entfernt davon, das Problem der Konkurrenz jüdischer und arabischer Arbeit durch eine Angleichung des arabischen Lohnstandards an den unseren lösen zu können, würde die Einheitsorganisation auf diese Weise die Kluft zwischen den Arbeitern der beiden palästinensischen Völker ä la longue nur vertiefen und erweitern. Diese Entwicklung aber ist vom Standpunkt unserer nationalen, nicht weniger als vom Standpunkt unserer sozialistischen Politik besonders verhängnisvoll, weil sie gerade die Arbeiterschaften der beiden Nationen, d. h. also die wichtigste Gruppe der werktätigen Schichten in Gegensatz zueinander bringt und einander entfremdet. Nur wenn man den Mut hat, die Konsequenz aus den ökonomischen Tatsachen zu ziehen, kann es 'gelingen, dem Konkurrenzkonflikt so weit als möglich seine Härte zu nehmen oder wenigstens seine national-politische Verschärfung zu vermeiden. Die Konsequenz ist klar: Solange die beiden Lebensstandards im Lande nebeneinander bestehen, solange also Landeswirtschaft und Kolonisationswirtschaft nicht eins geworden sind und auch die Arbeiterschaft des Landes zu einer Einheit zusammengeschweißt haben, solange muß auch die Entwicklung der Arbeiterbewegung der beiden Völker autonom auf zwei verschiedenen Ebenen vor sich gehen. Zwei parallele Arbeiterorganisationen, eine jüdische und eine arabische, werden für diese Uebergangsperiode die äußere Form des palästinensischen Arbeiterlebens darstellen. Es kommt hier nicht auf den Namen an, wenn man über die Sache selbst im klaren ist. Der entscheidende Punkt ist, daß die beiden nationalen Arbeiterorganisationen von einem eigenen Ansatzpunkt ausgehen müssen und deshalb eine autonome Entwicklung erfordern. Aus-