Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 393 (sequence 31)
- Language
- German
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393 kommen werden würde, und sei es aus noch so sympathisch et politischen Motiven, die zukünftige Entwicklung der palästinensischen Arbeiterbewegung in den Rahmen einer Einheitsorganisatiori zu pressen? Ein derartiger Versuch müßte mit Notwendigkeit einen tiefen und beständigen Widerspruch zwischen der Politik der Einheitsorganisation und den ökonomischen Faktoren, die ihr zugrunde liegen, hervorrufen. Es mag möglich sein, durch eine Art von Ueberrumpelungstaktik erste und ziemlich an 4er Oberfläche liegende gewerkschaftliche Erfolge zu erzielen. Es mag auch möglich sein, diese positiven Ergebnisse in einer dünnen Oberschicht höherqualifizierter Arbeit, vor allen Dingen in einigen Kategorien des Handwerks (wie z. B. Bautischlerei oder Schlosserei) für eine gewisse Zeit zu erhalten, weil das Angebot an höherqualifizierter handwerklicher Arbeit in Palästina sowohl unter Juden wie auch unter Arabern relativ sehr beschränkt ist. Aber ist es unmöglich, anzunehmen, daß auf längere Sicht hin eine gewerkschaftliche Aktion erfolgreich geführt werden kann, wenn sie so sehr den einfachsten Tatsachen der Wirtschaft im Lande ins Gesicht schlägt? Außerhalb der Oberschicht der handwerklichen Arbeit kann die gewerkschaftüiche Aktion der Einheitsorganisation nur dazu führen, daß die Arbeitgeber überhaupt den Versuch aufgeben, mit organisierter Arbeit zu verhandeln, und auf das Reservoir ganz unorganisierter und billiger Arbeit zurückgreifen, das ihnen immer in so großer Menge, als sie wünschen, zur Verfügung stehen wird. Von dieser Seite her wird also der Einheitsorganisation in jedem kritischen Moment der Boden unter den Füßen weggezogen. Aber auch auf der Seite der Arbeiter ist ja der gewerkschaftliche Erfolg die einzige Basis, die das dauerhafte Fundament der Einheitsorganisation bilden kann. Bleibt dieser Erfolg aus oder hat dieser Erfolg keine Dauer oder kommt er für die arabischen Kontrahenten nicht schne!U genug, so muß auch von dieser Seite her das Kartenhaus zusammenstürzen. Vergessen wir doch nicht, daß die Einheitsorganisation keineswegs von vornherein als . allumfassend geschaffen gedacht werden kann, sondern sich ja erst langsam ihr Feld erobern muß. Das wäre nur denikbar, wenn die wirtschaftlichen Entwicklungstendenzen ihrer Politik entgegenkämen oder sie auch nur ermöglichten. Wenn das nicht der Fall ist, wie notwendigerweise bei uns, dann muß auch im Rahmen der Einheitsorganisation der jüdische Arbeiter stets unter dem Druck der Möglichkeit bleiben — die ökonomisch durchaus gegeben ist —, immer wieder von neuem vor eine Unterbietungsmarge gestellt zu werden, die jedem Vordringen jüdischer Arbeit einen Riegel vorschiebt oder auch in dem bereits von ihr eroberten Bezirk sie wieder erschüttert und aus dem Sattel hebt. Der arabische Arbeiter würde stets unter dem Druck der Vorstellung stehen, die für ihn gewerkschaftlich erfolglose Politik der Einheitsorganisation sei nur verkappte nationale Interessenpolitik, die im Grunde nichts weiter als