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Palästina · 1927-01-01 · Heft 8-9 · p. Seite 391

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Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 8-9
Article
Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
Date
1927-01-01
Page
Seite 391 (sequence 29)
Language
German
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391 Analogie eher bestärkt als schwächt, lautet: Entweder Herabdrückung des jüdischen Arbeitslohnes auf den arabischen und,Einheitsorganisation. Resultat: Palästina wird nicht Einwanderungsland für europäische Arbeit und zeigt nach Abfluß einer bestimmten Reemigrantenmasse ein gewisses jüdisch-europäisches Kontingent in einer bei weitem überwiegend arabischen Arbeiterorganisation. Oder: Palästina soll Einwanderungs- und Kolonisationszentrum für jüdisch-europäische Arbeit bilden, dann werden — solange die jüdische Siedlung nicht der bestimmende Wirtschaftsfaktor für das ganze Land ist — zwei Wirtschaftssphären und zwei Lohnstandards ineinander verschlungen bestehen. Gewissen populären Aberglauben zum Trotz, die in der palästinensischen Arbeiterbewegung sehr verbreitet sind, können sie nicht, sondern müssen sie sogar bestehen. Palästina wird somit für lange Jahrzehnte, zwei Arbeiterschichten völlig verschiedenen Kultur- und Lebensniveaus aufweisen: Die eine mit dem Standard der modernen Kolonisation, die andere mit dem Standard der autochthonen Wirtschaft, die im Prozeß einer langsamen Evolution durch das Kolonisationswerk aufgelöst und seinem Bereich einbezogen wird. Damit ist auch entschieden, daß -gerade für die Uebergangsperiode eine einheitliche Organisation diejenigen Probleme nicht zu lösen vermag, die zu lösen sie ausgegangen ist. Vielleicht wird es im Licht dieser Auseinandersetzung auch Mar, daß und warum die Einheitsorganisation in Palästina gerade auf einem besonderen Gebiet zuerst aktuell geworden ist, das sonst kaum in der vordersten Front unserer Arbeit steht: auf dem Gebiet der von der staatlichen Administration beschäftigten Arbeiter. Diese Kategorie umfaßt vor allen Dingen die im Dienst der Eisenbahn-, Post- und Telegraphenverwaltung beschäftigten Arbeiter — nachdem in den übrigen Regierungarbeiten, (besonders im Chaussee, bau und in der Straßenüberwachung die Regi^rungslöhne bisher meist so nahe bei den arabischen Grundlöhnen für „unqualifizierte Arbeit lagen, daß eine jüdische Konkurrenz in den meisten Fällen dafür gar nicht in Betracht kam. In dieser Sphäre der Eisenbahn- und Postarbeit erkennt die Regierung wohl einen besonderen Kultur- und Lohnstandard für ihre britischen Beamten an, nicht aber einen Unterschied zwischen Arabern -und Juden, die von der Administration wohlwollend in einer Einheitskategorie von „natives" zusammengefaßt werden. Hier wird also zuerst durch eine administrative Maßregel gezwungenermaßen ein Einheitslohn hergestellt. Dieser Einheitslohn ist natürlich keineswegs der jüdische; er dürfte umgekehrt im Durchschnitt zwischen den üblichen Standards jüdischer 'und arabischer Arbeit, aber weit mehr dem arabischen Standard angenähert liegen. Theoretisch ist übrigens nicht einmal ausgeschlossen, daß die Regierung im Bereich ihrer Arbeit den Kolonisationslohn zur Grundlage wählen könnte. Sie könnte, insofern sie ihr Budget mit dieser Mehrausgabe belasten

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