Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 385 (sequence 23)
- Language
- German
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385 für die Saison in die naheliegende jüdische Plantagekolonie oder in die nächste Stadt wandert, um für Lohn zu arbeiten. Der Ertrag dieser Lohnarbeit braucht nicht für Wohnung, Kleidung oder Nahrung verwendet zu werden. Es wird sogar meistens „thesaurierf4 und, nachdem eine bestimmte Summe erspart ist, als Kapitaisa-nlage in den landwirtschaftlichen Betrieb investiert. Daraus folgt, daß zwischen dem Reallohn des jüdischen und dem des arabischen Arbeiters ein außerordentlich wichtiger prinzipieller Unterschied besteht. Im Grunde genommen deckt der Begriff des Arbeitslohnes in den beiden Fällen grundverschiedene Einkommensarten. Was vor? den Juden der minimale Arbeitslohn genannt wird, ist wirklich diejenige Einkommensgröße, die als das -soziale Existenzminimum des palästinensischen Juden für Kleidung, Wohnung, Ernährung und Kulturbedürfnisse absolut notwendig zu bezeichnen ist. Was bei den Arabern der Arbeitslohn genannt wird, ist eigentlich eine jenseits dieses Existenzminimums stehende Größe, die im Grunde genommen den Ersparnisüberschuß dieser arbeitenden »Fellachen in Bargeld bezeichnet. Das bedeutet aber in der Folge, daß der Lohnkampf für Juden und Araber eine prinzipiell! verschiedene Bedeutung hat. Wir teilen nicht Wilkanskis Theorie, die von der Annahme ausgeht, eine Lohnsteigerung in Palästina müsse immer in der gleichen Proportion auf den beiden Ebenen — der jüdischen und der arabischen — vor sich gehen, daß also, bis z. B. der arabische Lohn um 100 Prozent gestiegen sein würde, inzwischen auch der jüdische Lohn sich verdoppelt hätte. Es gibt nichts, was für die Notwendigkeit einer solchen Entwicklung spricht, und gleicherweise gar nichts, was eine solche Entwicklung irgendwann und irgendwo jemals ermöglicht hätte. Eine proportioneile Annäherung des arabischen an den jüdischen Lohn wäre a!lso im Laufe der Zeit meiner Ansicht nach durchaus möglich, würde aber unter den gegebenen Umständen nicht so sehr die Erhöhung des Lebensstandards des Arabers beeinflussen, wie die Kapitalintensität seines landwirtschaftlichen Betriebes und die Sparquote, die er für schlechte Zeiten aufsammelt. Aus dieser wirtschaftlichen Erkenntnis gibt sich aber fair die Beurteilung der praktischen Politik der Einheitsorganisation eine sehr wichtige weitere Konsequenz. Was würde nämlich eintreten, wenn eine relative A.ngleichung der arabischen Lohngröße an die jüdische erfolgt wäre und als Folge davon nach und nach der Prozeß der Gleichstellung der jüdischen Arbeit mit der arabischen im Konkurrenzkampf oder gar die Verdrängung der arabischen Arbeit durch die jüdische einsetzen würde? Für den jüdischen Arbeiter wäre der Einheitslohn, als Reallohn betrachtet, das absolute Existenzminimum. Für den Araber wäre der Arbeitslohn, als Reallohn betrachtet, in sehr hohem Grade ein Sparlohn. Er hätte also jederzeit die Möglichkeit, um den Prozeß seiner Verdrängung aus dem Arbeitsmarkt der Kolonisationswirtschaft aufzuhalten oder auch nur