Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 384 (sequence 22)
- Language
- German
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384 Choran und aus dem Sudan, zu zeigen begonnen, die von den Arbeitgebern gruppenweise zu sehr „entgegenkommenden Preisen" angenommen werden . . . Hunderte von jüdischen Arbeitern, die vor Arbeitslosigkeit vergehen, auf der einen Seite, und Hunderte von fremden Arbeitern, um die man sich alltäglich auf dem Markte reißt, auf der anderen." Selbstverständlich ist auch diese Frage heute nur als Entwicklungstendenz sichtbar, aber als solche deutlich genug Damit verschiebt sich das Problem nicht unwesentlich zu Ungunsten der Theorie der Einheitsorganisation. Auch hier könnte Dr. Preuß selbstverständlich sagen sogar die transjordanischen und sudanischen Massen würden bald einsehen, daß Piaster 20 mehr seien als 12, und daß es angenehmer sei, 8 Stunden zu arbeiten als 14. Was aber die Möglichkeit anbetrifft, den Einheitslohn der palästinensischen Arbeiterorganisation heutzutage gegen eine praktisch unbegrenzte ,und unerschöpfliche „Reservearmee" von Arbeitern dieses ganz primitiven Standards im Gleichgewicht ,zu halten, das ist etwas anderes. Karl Marx hätte jedenfalls im Gegensatz zu Dr. Preuß an eine derartige Möglichkeit nicht geglaubt. Und es ist in der Tat schwor einzusehen, wie man überhaupt dieses Problem ohne eine sehr rigorose, kostspielige und aktive Politik seitens der Regierung wird Herr werden können. Der zweite konkrete Strich, den wir in das Gesamtbild einzufügen wünschen, ist der: Wir haben bisher, wenn wir vom Lohn gesprochen haben, immer nur den Geldlohn, d. h. also die nominale Lohngröße im Auge gehabt. Faßt man die palästinensische Lohnfrage und die Konkurrenzfrage zwischen den Juden und Arabern jetzt von der Seite des Reallohnes, so ergibt sich, daß das Doppelproblem, welches die Einheitsorganisation zu lösen unternimmt, auf diesem Wege noch unlösbarer wird. Von der Seite des Reallohnes her betrachtet, ist die Kluft, die zwischen dem Jiiden und dem Araber in Palästina besteht, noch größer, schon allein wegen der Differenzen in den durchschnittlichen Preisen, die zwischen der Sphäre der jüdischen und der der arabischen Wirtschaft gegeben sind. Was aber bei der Beurteilung des arabischen Reallohnes den Ausschlag gibt, ist, daß in den meisten Fällen der heutige palästinensisch-arabische Lohnarbeiter sich noch in jenem Stadium befindet, das wir auch aus europäischen, besonders aus osteuropäischen, Verhältnissen kennen, in dem der Zusammenhang zwischen dem Arbeiter und seinem Heimatsdorf und der bäuerlichen Wirtschaft seiner Väter noch keineswegs gelöst ist. Die vollkommene Trennung des Arbeiters vom Herkunftsdorf erfolgt erst auf einer weit späteren Entwicklungsstufe der Erbteilung und Zerschlagung der Bauerngüter. Der heutige palästinensisch-arabische Arbeiter ist noch in den allermeisten Fällen (von einigen qualifizierten Handwerker- und einigen Transport- und Hafenarbeiterikategorien abgesehen) ein Fellach, dessen Wirtschaft in der Familie oder im Dorf weiter bearbeitet wird und der entweder regelmäßig .oder