Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 382 (sequence 20)
- Language
- German
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382 dem Druck der Alternative: Ausstoßung aus der Arbeit überhaupt oder Verzicht auf idie Einheitsorganisation, die letztere Entscheidung vorziehen. Daß eine solche aus ökonomischen Gründen zusammenbrechende Einlieitsorgamsation die nationalen Gegensätze nur verschärfen müßte, liegt auf der Hand. Davon wird aber noch später die Rede sein. Im Augenblick genügt es, festzuhalten, dato de Arbeitslohn, der in der Sphäre der Kolonisationswirtschaft unter den Juden heute gegeben ist, solange nicht zum Arbeitslohn Palästinas werden kann, als die Landeswirtschaft im ganzen nicht auf die technische und ökonomische Entwicklungsstufe igelangt ist„ die aus ihr und der Kolonisation eine wirtschaftlich technische Einheit macht. V. Diese ganz allgemeine, wenn auch grundlegende Ueberiegung* bedarf noch der Vervollständigung durch mehrere konkrete Striche,, die das Bild erst abrunden. Palästina als Ganzes, als Land, ist ebensowenig abgeschlossen gegen seine Umgebung, wie irgend einer der 'Wirtschaftsbezirke im Lande gegen den anderen. Wir haben bei unserer Untersuchung bisher stillschweigend angenommen, daß kein Zufluß von Arbeitskräften von jenseits der Landesgrenze stattfindet, die bei der Beurteilung des Arbeitsmarktes zu berücksichtigen ist. Das heißt, wir haben sozusagen auf Grund der Hypothese „vom geschlossenen Handelsstaat" gearbeitet. Wir sind auf Grund dieser Hypothese zum Schluß gekommen, es sei die Möglichkeit gegeben, den Kolonisationslohn der jüdischen Wirtschaft zum Landeslohn zu machen — zu einem Zeitpunkt, wo für das gesamte Wirtschaftsgebiet des Landes die jüdischen Standards von Produktion und Lohn bestimmend werden würden. In der konkreten Wirklichkeit kann natürlich von einem derartigen Abschluß des Landes keine Rede sein. In der Tat gibt es bekanntlich eine ständige Zuwanderung billiger Arbeitskraft aus aßen an Palästina grenzenden Ländern, d. h. vor allen Dingen aus Transjordanien, Syrien, dem Sudan und Aegypten. Bekanntlich ist sogar vor einigen Monaten ein halb ironischer Fachausdruck fair diese Zuwanderung geschaffen worden, die man „die fünfte Alijah" genannt hat. Was diese Einwanderung sudanesischer und transjordanischer Arbeit auszeichnet, ist erstens, daß sie aus Gebieten kommt, deren Grenzen zu kontrollieren auch; bei kostspieligen administrativen Maßnahmen außerordentlich' schwierig ist. Man kann die jüdische Einwanderung, die sich über zwei Häfen und eine Eisenbahnstation abspielt, relativ sehr leicht beaufsichtigen, man kann aber eine Immigration, die aus den Wüsten-Randgebieten von El-Arisch und auf den verschlungenen Gebirgspfaden des nördlichen Galiläa vor sich igeht, sehr viel schwerer erfassen. Auch wenn die Gesetzgebung Palästinas eine solche scharfe Grenzkontrolle gegenüber den Nachbarländern aus-