Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 380 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2379786-2379858-2379864-2384809--05535-2384988- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
38Q in einen Kolonisationsprozeß hineingestellt ist. Dieser Kolonisations^ prozeß schafft ein Feld von besonders hoher elektrischer Spannung, die Sphäre jüdischer Kolonisationswartschaft im Lande. Diese Sphäre der Kolonisationswirtschaft entsteht nicht dadurch, daß ein nationales Protektorat proklamiert ward, sondern dadurch, daß im: reinen Spiel wirtschaftlicher Kräfte in die mit der Kolonisation unmittelbar zusammenhängende^ Bezirke >und Kanäle der Wirtschaft unter einem ganz besonderen, von außen her kommenden Druck, Energie, das heißt Kapital hineingepreßt wird. Die Kolonisationswir t s c h a f t b e ruh t auf Kapitalimport Alle ökonomischen Bewegungen innerhalb der Sphäre der K o 1 o n i s a t i o nswirt s c h a f t,. i n ihre r P r od»ü k t ion,;in ihrer Verteilung und in ihrem K o ns u m w e r d e n durch d i e s e Tat s a c h e des Kap.it a ]~ im portes bestimmt. Es wird so gewissermaßen1 auf den Anhöhen der jüdischen Kolonisation, die sich mitten in der Ebene der arabisch-orientaliseheri Wirtschaft erheben, eine relative Stufe der Kapitalisierung geschaffen, die in der Wirtschaf tsumgebung dieser Anhöhen ihresgleichen nicht hat. Diese relative Höherkapitalisierung der Kölooisationswirtschaft schafft in,ihrem Bereich eine besondere Entwicklung und relativ auch höhere technische Ausstattung des Produktionsprozesses. Das wiederum, unterstützt durch den Organisationswillen1, die K'ulturhöhe . und die politische Bedeutung der kolonisierenden Arbeiter, ermöglicht die Schaffung eines besonderen Lohnstandards der Kolonisationswirtschaft, der gleichfalls den .seiner normalen1 Wartsehaftsurngebung, des syrischpalästinensisch-transjordanisehen Gebietes um ein bedeutendes; überragt. Solange der Kapitalimport der nationalen Instanzen (Fonds, Siedliungsgesellschaften usw.) dabei eine entscheidende Rolle spielt und soweit das Korrektiv der Weltmarktkonkurrenz; für die Produkte, noch nicht wirksam wird, ist es sogar nicht ausgeschlossen, daß soziale Macht -und Organisation die Lohnbestimmung im Bereiche der Kolonisationswirtschaft vorübergehend stärker beeinflussen als ökonomische Faktoren. Daß die Nation als solche als Kolonisator auftritt und oftmals in ihrer kolonisatorischen Tätigkeit volkswirtschaftliche und soziale Gesichtspunkte in. den Vordergrund rückt, die für den1 privaten Arbeitgeber oder Käpitalinyestitor nicht ausschlaggebend sind, erhöht nur die Position des Kölonisationslohnes. Ideologie, Politik und öffentliche Meinung der kolonisierenden Nation sind dabei sekundäre Hilfsfaktoreri, die zwar sehr häufig sich als zu schwach erweisen, arm die eiserne Logik der Gewinnkalkulation zu brechen, deren Wirkungskraft aber. andererseits in einem Stadium, wo die kolonisierende Nation als Ganzes eine Minderheit darstellt und sich national bedroht fühlt, auch wiederum nicht unterschätzt werden soll. . ' Der jüdische nominelle Arbeitslohn in Palästina ist also* durchaus eine Funktion des'Kapitalimports, und nur insoweit diesem