Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 377 (sequence 15)
- Language
- German
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377 in jedem Lande und in jeder Gegend — übrigens für die verschiedenen Arbeiterkategorien verschieden — von einem sehr verwickelten Komplex von Lebensgewohnheiten, Verbrauchsgewohnheiten -und sozialen Machtfaktoren, Organisationsverhäl missen und politischen Bedingungen entscheidend mitbestimmt wird. Aber das gilt immer nur im Rahmen einer ganz bestimmten konkreten wirtschaftlichen Entwicklungsstufe des Landes oder der Gegend, um die es sich handelt, die sozusagen den konkreten Ansatzpunkt für die Entwicklung der Lohngröße darstellt und die im letzten Grunde doch immer wieder auf die Entwicklungsstufe der natürlichen und technischen Produktivkräfte des betreffenden Gebietes zurückgeht Wenn dieser Sachverhalt im allgemeinen von der ökonomischen Wissenschaft und auch von der sozialistischen Theorie nicht so sehr in den Vordergrund gerückt wird, so nur darum, weil ohnehin für die Lohntheorie in den meisten Fällen besondere, konkrete, historisch gegebene Wirtschaftsgebiete als Ausgangspunkt angenommen werden, an deren bestimmte, konkret gegebene Lohnhöhe als Ansatzpunkt für die weitere Lohnentwicklung angeknüpft wird. In unserem Zusammenhang genügt es darauf hinzuweisen, daß die Abstufung in den durchschnittlichen Höhen der Nominallöhne der verschiedenen Länder in fast genau gleicher Linie verläuft, wie die abgestufte Kurve, die den Arbeitsertrag per capita in diesen Ländern bezeichnet. Setzt man zum Beispiel den Arbeitsertrag per Kopf in China 1, so beträgt er in British Indien l1/«, in Rußland 2V2, in Italien 23A, in Polen 6, in Holland 7, in Frankreich 81/*, in Australien 8V2, in Deutschland 12, in Belgien 16, in Großbritannien 18, in Kanada 20, in den Vereinigten Staaten 30. Würde man in graphischer Darstellung die Kurve der Lohngrößen neben dieser Kurve der Arbeitserträge zeichnen, so würden beide beinahe parallel verlaufen. Aber wir wollen das gar nicht als mathematische Formel behaupten und wir können gewisse Schwankungen,, die — vorübergehend sogar im Widerspruch zu der wirtschaftlichen Produktivitätsstufe — auf höhere politische Reife oder größere organisatorische Begabung der verschiedenen Rassen zurückzuführen sind, wohl zugestehen. An dem grundlegenden Tatbestand wird dadurch nichts geändert. Was aber für die allgemeine Theorie des Arbeitslohnes eine bloße selbstverständliche Voraussetzung sein mag, ist eine der entscheidenden Tatsachen unseres Problems. Das Lohnniveau Palätinas, das wir beim Einsetzen der jüdischen Kolonisation vorfinden, ist das typische Lohnniveau einer Volkswirtschaft in einem orientalischen Lande, das arm ist an. Naturschätzen und auf einer niedrigen Stufe in der Entwicklung der Produktivkräfte, das alsobeinahe noch völlig ein agrarisches Land ist und in dem eine Differenzierung des Lohnarbeiterstandes von dem des vorübergehend in¬ Saisonarbeit gehenden Fellachen noch kaum eingetreten ist Dieses; palästinensische Gebiet bildet einen Ausschnitt aus einem viel