Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 376 (sequence 14)
- Language
- German
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376 Standards verschiedener Gegenden noch gegeben sein oder durch vorübergehende wirtschaftliche Schwankungen geschaffen werden können, die aber durch eine einheitliche Organisation der Arbeiter und ihren gemeinsamen Kampf um die Verbesserung ihrer ökonomischen Lage ausgeglichen werden können. Ich kann mir vorstellen, daß das, was wir eben für Böhmen gesagt haben, selbst für den Fall der polnischen und russischen landwirtschaftlichen Wanderarbeiter, die alljährlich nach Deutschland importiert wurden, um die großen Rittergüter mit Saisonarbeit zu versorgen, hätte gelten können. Obwohl die Lohnunterschiede hier zwischen Deutschen, Palen und Russen Differenzen von 1:2:2,5 zeigten, pt es noch denkbar, daß, weil es sich hier um eine Wanderung von Arbeitern niedrigen Kultur- und Lohnstandards in das Gebiet des höheren handelt, und weil im deutschen Wirtschaftsgebiet die Produktivität der deutschen Landwirtschaft und die soziale Position des deutschen Arbeiters den •Ausschlag geben, auch hier noch durch eine rein organisatorische Maßregel wenigstens eine Tendenz zum Ausgleich in den Löhnen geschaffen werden könnte. Das Problem, um das es sich in unserem Falle handelt, ist aber ein ganz anderes. Nehmen wir einmal das Gegenteil von obigen Tatsachen an. Nehmen wir an, es wandern in das polnische Wirtschaftsgebiet — um den Fall kraß darzustellen — einige Zehntausende von amerikanischen oder australischen Arbeitern ein, deren Lohn- und Lebensstandard nominell! das Mehrfache der Lohnhöhe . der eingeborenen polnischen Wirtschaft beträgt. Die paar Zehntausende amerikanischer Arbeiter organisieren sich und stoßen selbstverständlich sofort auf die Tatsache der Unterbietung durch die eingeborenen niedrig entlohnten Arbeiter. Was würden wir sagen, wenn diese amerikanischen Arbeiter nun allen Ernstes vorschlügen, das Problem dadurch zu umgehen, daß sie sich mit den polnischen Arbeitern in einer Organisation zusammenschließen und die gesamte polnische Arbeiterschaft in Polen auf die amerikanische Lohnhöhe heben? Wir würden sagen, daß dieser Vorschlag ein Ding der Unmöglichkeit ist. Wir würden sagen, daß die polnische Landeswirtschaft durch eine organisatorische. Maßnahme nicht dazu geführt werden kann, einen Lohn- und Lebensstandard zu akzeptieren, der sie sofort aus dem Gleichgewicht bringen müßte, und daß die amerikanische Arbeitergruppe ihrem ökonomischen Gewicht nach für die Gesamtarbeiterschaft des Landes gar nictit lohnbestimmend werden könnte. , Der Faktor, der dabei für unser Urteil den Ausschlag gibt, ist, wie klar zutage tritt, der Lohnstandard, den wir als für eine konkret gegebene Volkswirtschaft entsprechend, für sie tragbar und als Gründlage für die Lohnentwickäüng in ihren Grenzen annehmen. Dieser Faiktor Kt es, der zunächst nicht außer acht gelassen werden kann. Wir wissen zwar .heute gut genug, daß es einen sogenannten natürlichen Lohn nicht gibt, daß vielmehr der Arbeitslohn