Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1927-01-01 · Heft 8-9 · p. Seite 375

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 8-9
Article
Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
Date
1927-01-01
Page
Seite 375 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2379786-2379858-2379864-2384809--05530-2384983
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

375 heiten mit ihrer Durchführbarkeit und der wirtschaftlichen Mög-r lichkeit ihrer Einführung in die Wiiiklichkeit gleichzusetzen oder zu verwechseln, ist ein FeMer, der sich besonders für einen: ökonomischen Schriftsteller nicht schickt. Ebenso gut könnte er sagen, die brandenburgisohen Bauern würden bald einsehen, daß 2 Mark für ein Pfund Butter mehr sei als 1 Mark 20, und daß es besser sei, hundert Pfund täglich, anstatt fünfzig tägtch zu verkaufen, und daraus schließen, daß die Anerkennung dieser elementaren Weis-- heiten. bereits die Möglichkeit zu einer Preissteigerung und zu einer Vermehrung der Marktware in sich enthalten würde. Die Betonung der Interessengemeinsamkeit zwischen den Arbeitern mag vielleicht dort genügend sein, wo mehrere Arbeitergnuppen mit verschiedenen Lohnkategorien nebeneinandet bestehen, oder durch vorübergehende wirtschaftliche Schwankungen geschaffen werden, die ökonomischen Voraussetzungen für die Erreichung des hohen Lohnstandards für alle gegeben sind, und der mangelnde Organisationswille, die mangeltide Organisationsfähigtaeit und das Fehlen des Bewußtseins der Solidarität es hauptsächlich sind, die ihre Durchsetzung im Leben aufhalten. Wenn zum Beispiel Otto Bauer annahm, daß in einem Teil des einheitlichen altösterraichischen Wirtschaftsgebietes, das e i n e n, wenn auch, nuancierten, Kulturstandard aufweist — beispielsweise im Deutschböhmen — das Angebot von Arbeitskräften verhältnismäßig gering ist, in einem anderen Teil desselben Wirtschaftsgebietes dagegen — beispielsweise in Tschechisch-Böhmen — das Angebot die Nachfrage weit übersteigt und aus dieser Tatsache dann die Tendenz zu steigenden Löhnen im deutschen Bezirk und eine Wanderungsbewegung von tschechischen Arbeitern nach Deutschböhmen ableitet,, bis der Ausgleich der Löhne eingetreten ist, so ist das vielleicht ein Fall, in dem die Bewußtmachung der Gemeinsamkeit der; Interessen, die hier vorliegt, den wichtigsten Hebel für die Ueberwindung des Konkurrenzkonflikts zwischen den Arbeitern beider Nationen schaffen kann, Otto Bauer folgert tatsächlich: „Für die Arbeiter der deutschen Bezirke wäre es vorteilhaft, wenn das Angebot von Arbeitskräften in den tschechischen Bezirken geringer, die Löhne dort höher wären. Die Arbeiter der tschechischen Bezirke haben ein Interesse daran, daß die Arbeiter Deutschböhmens gut, entlohnt sind. Die tschechischen Arbeiter sind an den hohen Löhnen der deutschen, die deutschen Arbeiter an den hohen Löhnen der tschechischen interessiert," Auch unter den angenommenen Be* dingungen verläuft die Geschichte "nicht ganz so glatt, wie Otto Bauers Worte klingen. Aber wie dem auch sei, die von ihm befürwortete Politik des gemeinsamen gewerkschaftlichen Kampfes ist unter dem Gesichtspunkt des höheren Interesses gewiß richtig, und Sie ist unter den angenommenen Bedingungen auch ökonomisch durchführbar: ein einheitliches Wirtschaftsgebiet, in dem völlige Freizügigkeit herrscht, in dem5 zwar Differenzeri iii den Lohn-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.