Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 374 (sequence 12)
- Language
- German
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374 bereits 'an diese Tatsache angepaßt hatte, die Bresche von Arbeitgeber zu Arbeitgeber erweitert .worden,.bis er wieder völlig unseren Händen entglitten wäre. Kurzum, wir leben eben nicht in der besten aller .Welten. Die äutochthone Wirtschaft der Araber und ihr Standard, die Kolonisationswirtschaft des Juden und ihr Standard sind in keiner Weisegegeneinander abgegrenzt Wenn die Einheitsorganisation das ihrige leisten soll, muß sie es auf dem Boden dieser Tatsachen versuchen. IV. Behält man diese lebendige1 Wirklichkeit des palästinensischen Wirtschaftslebens im Auge, «so zeigt sich vor allem, daß der Kernpunkt des ganzen Problems ein ökonomischer ist. Der Kernpunkt des ganzen Problems ist die Lohnfrage. Arabische und jüdische Arbeiter treffen alllerorten als Konkurrenten aufeinander. Sie treffen als Träger verschiedener Kulturstandards und demzufolge verschiedener Lohnstandards aufeinander. Soll die Einheitsorganisation diesen Konkurrenzkampf aufheben, damit also den Druck, der auf der jüdischen teuren Arbeit lastet, von ihr nehmen und die Eroberung der Arbeit ermöglichen, so muß sie den Abgrund, der zwischen den verschiedenen Standards klafft, zu überbrücken vermögen. Die Verfechter der Einheitsorganisation behaupten nun, daß eine Angleichung der arabischen Lohnhöhe an die jüdische erstrebenswert und durchführbar sei. Mit dieser Behauptung steht und fällt in der Tat viel von ihrer Politik. Aber anstatt nun Durchführbarkeit und Möglichkeit dieser Angleichung zu erweisen, begnügt man sich damit, immerwährend auf die Gemeinsamkeit des ökonomischen Interesses zwischen jüdischem und arabischem Arbeiter hinzuweisen. Aber die Betonung dieser Interessengemeinsamkeit ist für die Lösung des hier in Frage stehenden Problems völlig unzureichend. Es ist gändich ungenügend, wenn zum Beispiel Dr. Preuß schreibt: „Der jüdische Land- und Lohnarbeiter hat ein Interesse an einer Steigerung des arabischen Lohnniveaus, an der Verkürzung der Arbeitszeit, an der Hebung des Lebensniveaus und der kulturellen Lage der arabischen Massen, denn ohne eine Aenderung der ökonomischen Situation dieser Massen ist er ständig der Gefahr, verdrängt zu werden, ausgesetzt. Die arabischen Massen werden aber über kurz oder Hang auch anerkennen, daß 20 Piaster Taglohn -mehr sind als 10 Piaster, daß 8 Stunden arbeiten besser ist als'14 Stunden, daß der freie Bauer besser wirtschaftet als der verschuldete Pächter. Hier liegen elementare gemeinsame Interessen vor." Ich nehme an, daß die arabischen Massen schon im Verlaufe einer Viertelstunde dazu gebracht werden können, anzuerkennen, daß 20 Piaster Taglahn .mehr sind als 10 Piaster oder daß 8 Stunden arbeiten besser ist. als 14; Aber die •Feststellung dieser Wahr-