Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 373 (sequence 11)
- Language
- German
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373 kehren. In dem /größten und modernsten industriellen Betrieb des Landes, der Zementfabrik „Nesher", bat die Einführung arabischer (sogar ägyptisch-arabischer — aber davon später) Arbeit zu einem ernsten Konflikt geführt. Was die Bauarbeit anbetrifft,, so ist der arabische Arbeiter — im jüdischen Häuserbau in Haifa, Jerusalem —gar nichts Seltenes, von Tiberias ganz? zu schweigen. Aber sogar in bezug auf Tel-Awiw ist zu beobachten, daß wir in den älteren, jetzt eingemeindeten Vierteln, wie Neye-Schalom und Neve-Zedek fieim Bau ziemlich häufig auf die fremde Arbeit stoßen (wie auch Jaeli im „Kuntres" richtig anmerkt). Führt man zudem auch diese Frage wieder etwas weiter, so dringen zum Beispiel die arabischen Baumaterialien durch "alle 1 Fugen selbst in die modernste Tel- Awiwef Bauindustrie ein. Der arabische handgefertigte Ziegel hat zuweilen sogar das jüdische Industrieprodukt (Silikat und dergL) im Konkurrenzkampf aus dem Felde geschlagen. Was nützt es da Ben-Gurion, wenn ei* uns beweisen kann, daß <:s „keine elemen^ taren nationalen Gegensätze sind", die unsere und die arabischen' Arbeitsinteressen scheiden? Das alles gilt nun für das schon Bestehende, von dem man vielleicht nicht genau 'sagen kann, auf welcher Grundlage es „von vornherein" aufgebaut ist. Leider liegen die Dinge nicht anders in bezug auf gegenwärtig neu zu Schaffendes, bei dem die Grundlage jetzt erst festgelegt wird. Leider ist auch die heute vor sich gehende Expansion der jüdischen Kolonisationswirtschaft nicht -gegen ihr Eindringen und Vordringen beschützt. Auch hier ist die Tatsache der unlöslichen Verflechtung der beiden Wirtschaftssphären im Lande und die Offensive der billigen Arbeit die einzige Grundlage, von der wir „vornherein" auszugehen haben. Die letzten Jahre haben uns ja auch dazu Erfahrungsmaterial genug geliefert. Besonders in der Sphäre der landwirtschaftlicheil Privatkolonisation in der Orangenzone „kann", nicht nur wie der Genosse Ben-Gurion sich interessant ausdrückt, „in jedem neuen Betrieb die Frage entstehen, ob jüdische oder arabische Arbeiter verwendet werden sollen" — sondern sie entsteht und wird häufig all unserem Kampf zum Trotz gegen die jüdische Arbeit entschieden. Neues Plantagenarea't soll in Bearbeitung und Bepflanzung genommen werden. Auf welcher Grundlage soll diese Plantage „von vornherein" aufgebaut werden? Es ist schade, daß in dieser Hinsicht zwischen;uns und dem Plantagenbesitzer Meinungsverschiedenheiten bestehen können. Zu glauben, daß es durch organisatorische Maßnahmen gelingen könnte, in solchen Fällen die arabische Arbeit auszuschalten, ist aus hundert Gründen naiv. Das arabische Arbeitsangebot ist praktisch unbegrenzt. Hätte die jüdische Arbeiterschaft widerstandslos den bekannten Versuch in Rechoboth geduldet, für den Häuserbau in der Kolonie aus Ramleh billige Arbeiter zu „importieren", so wäre auch in diesem Arbeitszweig, der seit Kriegsende traditionell in jüdischer Hand lag und seine Kalkulation