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Palästina · 1927-01-01 · Heft 8-9 · p. Seite 372

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Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 8-9
Article
Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
Date
1927-01-01
Page
Seite 372 (sequence 10)
Language
German
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372 Schokolade aus jüdischen Werkstätten — auf mancherlei Wegen täglich ins Gebiet der arabischen Produktion eindringt, wie andererseits selbstverständlich auch durch hundert und hundert Kanäle das arabische landwirtschaftliche und handwerkliche Produkt — Gemüse, Geflügel, Eier, Tongeschirr, Seife — in die Sphäre der sogenannten rein-jüdischen Wirtschaft den Eingang findet. Aber das ist, wie gesagt, noch nicht einmaU das eigentliche Problem. Das beginnt erst, wo die Offensive der billigen Arbeit gegen die jüdische einsetzt. „Der Arbeitsplatz und die Zukunft des Juden", sagt dazu der Genosse Ben-Gurion, „liegen ausschließlich in der Sphäre der Wirtschaft, die von vornherein auf anderen Grundlagen aufgebaut ist als die eingeborene arabische", und in dieser Sphäre besteht er gleich uns auf einem entschlossenen Kampf um jeden Arbeitsplatz. Nun ist die Frage, wo diese Sphäre der Wirtschaft liegt, die „von vornherein auf einer anderen Grundfege aufgebaut" ist, aber allen elastischen Auslegungen offen, die nur denkbar sind. Und das palästinensische Leben beantwortet sie in einer dieser Theorie sehr wenig entsprechenden Weise. Ist die Orangenbojare, die Wein- und die MandeipfÜanzung des jüdischen Kapitalsbesitzers „von vornherein auf einer anderen Grundlage aufgebaut" als auf der der billigen arabischen Arbeit? Unser Kampf um die Eroberung der Arbeit in den Pfoanzungskolonien, der sich nunmehr über 20 Jahre erstreckt, und der noch bis heute zu keinem. Abschluß gekommen ist, beweist, daß es gar keine bestimmten Grenzen für diese Sphäre gibt. Ist sie nicht von vornherein „auf einer anderen Grundlage aufgebaut" — was soll dann überhaupt dem Genossen Ben-Gurion der Kampf, wie wir ihn auch heute in jeder der Pflanzungskolonien führen? Nach seiner Theorie ist dieser Kampf dann ebenso unerlaubt, wie aussichtslos. Ist sie aber von „vornherein auf einer anderen Grundlage aufgebaut" und wir finden dennoch im Laufe von Jahrzehnten viele Hunderte, in der Saison zuweilen Tausende von arabischen Arbeitern auf „unseren" P'lätzen — was hilft uns und Ben-Gurion dann die theoretische Konstruktion? Was gar tun, wenn eines)'schönen Tages, wie es mit den beim Orangenpacken in Petach-Tikvah beschäftigten arabischen Arbeitern der Fall gewesen ist, diese Genossen aus unserem Weinberg kommen und uns im Namen der Einheitsorganisation freundschaftlichst auffordern, ihre Organisierung und den Schutz ihrer Interessen in die Hand zu nehmen? Können wir ihnen da, wie der Genosse Ben-Gurion, antworten, es gäbe „Geheimnisse der Geschichte und darin enthalten verborgene Kräfte und verhüllte Möglichkeiten", die wir ihnen an Stelle des Gewünschten vorschlügen? Daß im übrigen dieser ganze Tatbestand nicht etwa auf die Koloniearbeit beschränkt ist, weiß jedermann. Die jüdischen Fabriken in Akko, neu gegründet, haben sogar ihren Standort nach der Bequemlichkeit und Reibungslosigkeit des arabischen Arbeitsangebotes gerichtet, ohne sich an irgend we'lthe geheiligten Grenzpfähle zu

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