Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1927-01-01 · Heft 8-9 · p. Seite 368

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 8-9
Article
Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
Date
1927-01-01
Page
Seite 368 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2379786-2379858-2379864-2384809--05523-2384976
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

368 Moleküle im Gravitationsfeld dieses Wirtschaftsgebietes. Die jüdische Kolonisation wirkt-als-besonderer. Faktor, als Kraft, und Masse, auf die autochthone Wirtschaft und Gesellschaft ein. Sie wirkt und sie wird auch bewirkt. Aber die aktive Wirkung kann in dem Maße stärker sein; als die passive, als die jüdische Kolonisation, die im technischen und finanziellen (das will* also zugleich sagen: kapitalistischen) Sinne bei weitem der autochthonen überlegene Kraft darstellt. Ein Transformationsprozeß setzt in der Sphäre der eingeborenen Wirtschaft und Gesellschaft ein oder der natürliche evolutionäre Transformationsprozeß wird beschleunigt oder umgelenkt. Dieser Transformationspozeß im Kolonisationsfeld ist also vom Standpunkt des organischen Wachstums ein forcierter Zersetzungsprozeß. Tempo, Umfang und Richtung dieses Prozesses sind abhängig vom Tempo, Umfang, Kapitalvermögen, technischen Leistungsgrad, sozialen und politischen Gewicht der vordrängenden Kolonisation. Es setzt das; ein, was man die Europäisierung der orientalischen Wirtschaft genannt hat, aber immer gerichtet und dynamisiert durch den parallel und darin verschlungen vor sich gehenden Kolonisationsprozeß. Die Produktionsverhältnisse im Lande, sowohl in der Agrarproduktion wie in den städtischen Gewerben, verändern sich ökonomisch und technisch. Die Verkehrsverhältnisse werden umgewälzt. Dadurch gestalten sich die Marktbedingungen neu. Für Wanderung von Waren und Arbeitskräften werden immer neue -Kanäle geöffnet. Soziale Beziehungsketten, die vielleicht im Laufe von Jahrhunderten gehalten haben, reißen. Zusammenhänge von Bodenständigkeit und Schollenpflichtigkeit werden gelöst. Das ganze Gebäude von. überkommenen Vorstellungen, Traditionen und sozialen Regeln kommt angesichts der neuen Formen, die die moderne Kolonisation mit sich bringt, ins Wanken. Die soziale Schichtung verschiebt sich unter dem Druck der aufwärtsstrebenden neuen Gesellschaft, die im Lande im Entstehen begriffen ist. Auf der anderen Seite steht die junge Siedlung unter dem stetigen Einfluß der Kräfte, die von der eingeborenen Wirtschaft her auf sie wirken. Die niedrige Ebene der landläufigen Bedürfnisse, ihre niedrigen Löhne, niedrigen Preise, niedrigen Produktionskosten schaffen immer wieder die Tendenz, das Niveau des Bedürfnis-, Lohn-, Preis-, Kostenstandards der jungen Kolonisation elementar herunterzudrücken. Je schwächer und dünner die Siedlung ist, je geringer also ihre Massenkraft im Gravitationsfeld wirkt, desto schwerer hat sie um jeden Schritt breit ihrer Arbeit, ihrer Lebenshaltung und jhrer sozialen Errungenschaften zu kämpfen. Je weiter der Siedlungsprozeß fortschreitet, je größer also das spezifische Gewicht des Kolonisatiqnswerkes im Verhältnis zur Landeswirtschaft wird, desto schwächer ist die passive Wirkung, der er unterliegt. Die Wechselwirkung zwischen diesen Erscheinungsreihen ist es immer, von der in dieser Uebergangsperiode die Beziehungen zwischen den beiden Nationalitäten im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.