Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 367 (sequence 5)
- Language
- German
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367, heutigen Tage nicht vorhanden, ja, das Material dafür ist kaum m genügendem Maße zusammengetragen. -Und dennoch könnte erst sie die wirklich brauchbare Unterlage für eine Klärung dieses Pro-, blemes, wie des unserer ganzen nationalen Politik den palästinensi* sehen Arabern gegenüber ergeben. Sie müßte uns ja zu zeigen vermögen, welche ökonomischen und sozialen Enlwicklungsperspektiven den Arbeitern der beiden Völker in Palästina bevorstehen und zu welchen Beziehungen diese Entwicklung führen müßte. Die publizistische und wissenschaftliche Behandlung -der jüdisch-arabischen Frage in Palästina war bisher im wesentlichen. — soweit sie überhaupt über bloße Ideologie und Deklamation hinausging — entweder formalpolitisch oder staatsrechtlich-konstitutionell gerichtet. Im besten Falle wurde die soziale Statik der gegenwärtigen arabischen Wirtschaft und Gesellschaft im Lande zur Basis ihrer Folgerungen gewählt. Auch das ist noch gänzüich ungenügend.*) Die Problemsteltang, die unseres Erachtens gewählt werden muß und zu weit fruchtbareren und aufschlußreicheren Resultaten führen könnte, ist die schwierige Problemstellung der dynamischen Analyse. Ihre Ausgangsfrage würde flauten: Wovon wird in diesem Lande die soziale und ökonomische Entwicklung dynamisch bestimmt? Die Beantwortung dieser Frage würde ungefähr in folgenden Linien verlaufen. Sehen wir zunächst von der selbständigen Bedeutung der Mandatsregierung als eines Wirtschaftsfaktors (Arbeitgeber, Kapitalinvestitor, Grundrentner etc.) ab. Die jüdische Einwanderung strömt ins Land ein. Sie findet im Lande als Produkt einer ganz bestimmten historischen Entwicklung eine Wirtschaft von einer ganz bestimmten Struktur und einem ganz bestimmten spezifischen Gewicht vor, die ganz bestimmten Bewegungs-, aber auch Trägheitsgesetzen folgt. Sie findet im Lande eine autochthone Gesellschaft von einer bestimmten Struktur mit bestimmten Kräfteverhältnissen, Bewegungs- und Beharrimgsgesetzen vor. Diese eingeborene Wirtschaft und Gesellschaft steht in einem ganz konkreten Stadium des Prozesses ihrer Entwicklung. Nun wird die jüdische Einwanderung im Lande zur Siedlung. Das verschiebt sozusagen alle *) Demgegenüber bedeutet, rein methodologisch gesehen, die Aufsatzreihe von Dr. Preuß, die im „Kmntres" Nr. 293/6 veröffentlicht worden ist, einen gewissen Fortschritt. Die Fragestellung ist schon, zur. Dynamik verschoben, wenn auch analytisch noch recht unexakt. Was aber den Wert dieser Arbeit in hohem Maße aufhebt und wahrscheinlich auch die analytischen Ungenauigkeiten erzeugt hat, ist die Tatsache, daß der Verfasser an die Untersuchung der arabisch-jüdischen Wirtschaftsbeziehungen mit einem fertigen Schema herangetreten ist, das von vornherein feststand. Dieses Schema ist, wie die Wiener Schule so schön sagt, „vulgärmarxistisches" Klischee. Die ganze Untersuchung, die sich darauf aufbaut ist so zu einer einzigen großen petitio priheipii geworden. Auf einer solchen Basis auch das Schema einer Politik zu entwerfen, ist verhältnismäßig einfach. Ob aber ein solcher Entwurf auch für die Wirklichkeit, von irgend einer Bedeutung ist, ist eine ganz andere Frage.