Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 4)
- Language
- German
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366 Der wirtsohaftliche und soziale Gehalt dieser Politik ist es, der deshalb zuerst der Klärung bedarf. 1 Auch; die Frage der verschiedenen Formen, die für die gemeinsehaftliche Organisierung der jüdischen und arabischen Arbeiter vorgeschlagen worden sind, hängt von dieser grundlegenden Untersuchung ab. Wir können dabei ganz davon absehen, daß im Verlauf der Entwicklung dieser Politik auf der Seite ihrer Wortführer gerade in dieser Beziehung soviel taktische Kreuz- und Quersprünge, strategische Rückzüge und gedeckte Flankenbewegungen aller Art ausgeführt worden sind. Taktik und Strategie haben im Laufe der Zeit praktisch die Vereinigungspolitik zunächst zum Stehen gebracht und die Ideologie merklich abklingen lassen. Von den ersten kühnen und vorwärtsdrängenden Schritten, die ungefähr anderthalb Jahre zurückliegen, bis zu den vorsichtigen Redewendungen von heute ist ein weiter Weg. Von der ersten begeisterten und allgemeinen Losung der Einheitsorganisation hat diese Politik bereits die Etappe der „nationalen Sektionen" in einem Rahmenverband durchgemacht und ist schließlich beim Vorschlag einer „parallelen" Organisation im Gegensatz zu einer „gemischten" gelandet. Es ist besonders bezeichnend, daß dieser letzte Vorschlag von einem Genossen ausgeht, der selbst im Auftrage des Arbeiterrates Jaffa mit der Praxis der Einheitsörganisation beschäftigt gewesen ist Bedenkt man die Sache ganz genau, so ist dieser letzte Entwurf der Parallelorganisation in der Tat identisch mit der Parole, die wir selbst — als Gegner der Vereinigungspolitik — in den letzten Wahlen zu den städtischen Arbeiterräten ausgegeben hatten und für die wir die Formel „autonome Entwicklung der Arbeiterorganisationen beider Vö'iker" prägten. Auch die Antwort auf die Frage, welcher Wert nun diesen verschiedenen Organisationsformen und -Vorschlägen zuzuschreiben sei, wird erst nach Untersuchung des Grundproblems selbst unternommen werden können. Das Grundproblem selbst aber ist ein höchst kompliziertes ökonomisch-soziologisches: Kann die Einheitsorganisation den Konkurrenzkonflikt der modernen und teueren jüdischen Arbeit mit der primitiven und billigen arabischen Arbeit aufheben und die Bedingungen, unter denen die jüdische Arbeiterschaft ihren Kampf um die „Eroberung der Arbeit" im Kolonisa üonswerk führt, günstiger gestalten? Von der Beantwortung dieser Frage allein, nicht von einer vorgefaßten Doktrin, muß das Endurteil über die Politik der Einheitsorganisationen abhängen. II. Im Grunde genommen ist eine hinreichende Antwort auf diese Frage nur im Rahmen einer weitgefaßten dynamischen Analyse der jüdisch-arabischen Wirtschafts- und Sozialbeziehungen, wie sie sich aus den objektiven Entwicklungstendenzen herauskristallisieren, zu geben. Eine solche dynamische Analyse ist bis zum