Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Zum Problem der jüdisch-arabischen "Einheitsorganisation"
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 365 (sequence 3)
- Language
- German
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365 zu übersehen, gewiß kaum zu überschätzen; Es ist jedenfalls wohl nicht übertrieben, zu sagen, daß eine entschiedene Anstrengung in der Richtung auf die Schaffung einer breiten Einheitsorganisation jüdischer und' arabischer Arbeiter (wenn sie m ö g 1 i c h i s t) der palästinensischen Arbeiterbewegung eine entscheidende Wendung geben und damit dem sozialen Leben des ganzen Jischuw ein neues Gesicht aufprägen würde. Die Politik, die in dieser Richtung geführt wird, will daher besonders sorgsam geprüft sein. Je klarer es ist, daß hier die Methode des Zauberlehrlings gefährlich werden muß, und die Geister, die einmal gerufen sind, nicht mehr gebannt werden können, desto nüchterner muß die Analyse sein, die dieser Entscheidung vorangeht. Die Probleme, die sie lösen will, sind scharf «umrissen. Worin ist nun der Kern des Lösungsvorschlages selbst zu suchen? Welche Perspektive öffnet eine Analyse dieser Politik? Welche sind ihre Ausstrahlungen auf die verschiedenen Gebiete unseres sozialen Lebens? Als Antwort darauf genügt es keineswegs, den politischen (innerpalästinensischen und zionistisch-außenpolitischen) Wert der Politik der Einheitsorganisation zu betonen/ Dieser Wert liegt an und für sich klar auf der Hand. Wenn die objektiven Verhältnisse und die Aufgaben, die uns in unserer Kolonisation gestellt sind, den iBund der Arbeiter beider Nationen heute schon gestatten, so ist das eine positive Tatsache von politisch höchstem Rang. Es nimmt deshalb nicht einmal wunder, daß, sobald nur die ersten Anfänge einer gemeinschaftlichen Organisation — unter den Eisenbahnarbeitern — einsetzten, diese Tatsache nicht etwa nur von sozialistischen, sondern auch von allen repräsentativen bürgerlichen zionistischen Politikern aufgegriffen und als Zeichen unseres Verständigungswillens und -unserer Friedenspolitik angeführt wurde. Die Wortführer der Einheitsorganisation selbst haben selbstverständlich diese Anfänge afe den einzigen praktischen Ausdruck einer Verständigungspolitik zwischen Juden und Arabern in Palästina angepriesen. Diese Argumentation kann aber in kerner Weise befriedigen. Die politische Bedeutung der Einheitsorganisation. kann nämlich nur unter der Bedingung als positiv und vor allem als dauerhaft angenommen werden, daß man ihre soziale und ökonomische - Grundlage als begründet ansieht. Solange nicht erwiesen ist, daß sie geeignet scheint, jene elementaren Fragen des Lohnes und des Lebensstandards, denen wir alltäglich in unserer Arbeit begegnen und mit deren Lösung die Zukunft unserer Siedlungsarbeit verbunden ist, zu beantworten, solange hängt auch ihre politische Perspektive noch völlig in der Luft. Erweist sich die ökonomische und soziale Basis als unzureichend, so kann auch iäire politische Wirkung nichts weniger als bestimmt sein. Sie kann, unter bestimmten Voraussetzungen, in das Gegenteil 'umschlagen und anstatt, wie erwartet, die jüdisch-arabische Verständigungspolitik einzuleiten, die nationalen Gegensätze nur noch verschärfen.