Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Zur Frage der Agrarreform
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 358 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2379786-2379858-2379864-2384807--05509-2384966- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
358 Wir haben absolut nicht die Sicherheit, daß das nationale Moment bei den gegenwärtigen jüdischen Bodenbesitzern im Lande über das geschäftliche den Sieg davontragen wird und die Ereignisse der letzten Jahre haben diese Unsicherheit in starkem Maße vergrößert. Somit stellt das Privateigentum an Grund und Boden nicht nur eine Gefährdung der Rentabilität der jüdischen Kolonisation im Lande dar, sondern kann auch das Gelingen derselben überhaupt in Frage stellen. Und auch die sozialen Folgen dieser Tatsachen werden kaum andere sein als in anderen Ländern. Es treten schon heute in den jüdischen Kolonien manche bedenkliche Züge des Großgrundbesitzes (in erster Reihe übermäßige Verwendung fremder Arbeitskraft) hervor, wir haben schon ein landwirtschaftliches Lohnproletariat, das nicht die Möglichkeit hat, in den Kolonien Fuß zu fassen, obwohl es dort genug freien Boden gibt, und es wird sich auch die übermäßige Zersplitterung des Bodenbesitzes und Verschuldung der Landwirte nicht vermeiden lassen. Nur der Tatsache, daß der nationale Bodenbesitz in der jüdischen Landwirtschaft von heute eine ziemlich bedeutende Rolte >spielt, haben wir es zu verdanken, daß diese Erscheinungen nicht bereits heute eine bedenkliche Form angenommen haben. Die Nationalisierung des jüdischen Bodenbesitze« im Lande ist somit eine der bedeutendsten Aufgaben der jüdischen Kolonisationspolitik, und diese Aufgabe kann nicht oft und nicht nachdrücklich genug betont werden. Natürlich ist auch die Frage der Bewirtschaftungsweise nicht außer acht zu lassen. Es müssen Bewirtschaftungsformen gefunden, beziehungsweise gefördert werden, die die Intensität der Arbeit und Verknüpfung mit Grund und Boden nicht minder gewährleisten als das freie Eigentum, ohne indessen die schlimmen -Seiten desselben auftreten zu lassen. Diese Wirkungen, können weder im Wiege der unmittelbaren Bewirtschaftung des Bodens durch Lohnarbeiter, noch auch im Wege der .Zeitpacht an einzelne, -mag die Vergebung de.s Bodens auch unter günstigen Bedingungen erfolgen, erreicht werden. Die Anwendung der Form der E r bp acht einerseits und andererseits .weitestgehende F ö r d e r u n g des Arb.e;i t e r p r o d -u k t i v geno s s e n sc Iva f t s we s e ns in seinen verschiedenen Formen, dies ist die unter den gegenwärtigen Bedingungen zweckmäßigste Lösung der Frage. Doch erübrigt sich an dieser Stelle-ein näheres Eingehen auf diese Fragen, die schon in der. zionistischen Palästinaliteratur wiederholt und erschöpfend genug behandelt worden sifid; -Ii. So ist denn der Weg, der zur Lösung der Agrarfrage in Palästina führt, ein ziemlich langer und komplizierter. Er muß sicji der Eigenart, der Verhältnisse, im Lande anpassen, da, wie erwähnt, unter den gegenwärtigen Bedingungen mit den gewöhnlichen, den Lehrbüchern der Nationalökonomie entnommenen Lösungen nicht viel anzufangen ist. Nur ein verständnisvolles Zusammenspiel des staatlichen Gesetzgebungs- und administrativen