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Palästina · 1927-01-01 · Heft 8-9 · p. Seite 357

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Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 8-9
Article
Zur Frage der Agrarreform
Date
1927-01-01
Page
Seite 357 (sequence 6)
Language
German
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357 •Bedeutung haben können als die Umwandlung von Pächtern in freie Eigentümer, deren große Schattenseiten skizziert worden sind. Doch verlangen, wie erwähnt, auch die Verhältnisse bezüglich des weiteren Ausbaues der jüdischen Kolonisation am Lande einer weitgehenden Sanierung. Es handelt sich nicht nur um jüdische Interessen. Die jüdische Landwirtschaft in Palästina spielt schon heute eine bedeutende Rolle im allgemeinen Wirtschaftsleben des Landes, und diese Rolle wird in der Zukunft gewiß noch wachsen. Die durch die anormale Bodenpreisbewegung verursachte schwache wirtschaftliche Fundierung der jüdischen Siedlungen im Lande wird also letzten Endes auch das allgemeine Wiirtschaftsniveau drücken müssen. In dieser Beziehung kann aber nicht viel von der administrativen Tätigkeit der Regierung erwartet werden. Es ist kaum anzunehmen, daß die Mandatarregierung im Interesse der jüdischen Siedlungsarbeit dazu schreiten [werde, die Bodenpreiisbewegung amtlich zu regeln und zu kontrollieren, und es ist auch fraglich, ob ein derartiger Schritt die gewünschten Resultate zeitigen würde. Hier ist fast alles von der jüdischen Initiative und Entschlossenheit zu fordern. Es muß zunächst die V e r e i n h e i 11 i e h u n g der B o d e n k a u f o p e r a t i o n e n angestrebt werden. Die Tatsache, daß wir heute mehrere Gesellschaften (und auch" Privatpersonen) haben, die Boden kaufen, trägt das ihrige zum Emportreiben der Bodenpreise bei. Die Schaffung einer einzigen jüdischen Bodenkaufgesellschaft gehört heute, wo die politische Einigung der palästinensischen Judensohaft schon ziemlich weit fortgeschritten ist, nicht mehr ins Reich der Phantasie und muß mit allen Kräften angestrebt werden. Es handelt sich aber auch darum, die Bewegung des Bodens, der sich bereits in jüdischen Händen befindet, auf eine entsprechende Weise zu beeinflussen. An der Steigerung der Bodenpreise in den Kolonien sind in einem ziemlich bedeutenden Maße auch die Juden beteiligt. Die Bodenpreise in den jüdischen Dörfern sind im Laufe von wenigen Jahren auf eine fabelhafte Weise gestiegen, und wenngleich es sich hier in den meisten Fällen um bearbeiteten und instand gebrachten Boden handelt, so ist auch hier die Proportion "zwischen Bodenpreis und Bodenertrag nicht gewahrt und, was das Wichtigere ist, wird dadurch der Preis des arabischen Bodens in der Umgebung der Kolonien emporgetrieben. Die Unmöglichkeit der.,Weiterentwicklung der bestehenden jüdischen Kolonien1 und jene, Häusleranwesen für die jüdischen Arbeiter zu schaffen, sind die direkten Folgen dieser Erscheinung. Es müssen aber auch die nationalen Gefahren derartiger Zustände hervorgehoben werden. Wird der Boden, der sich in jüdischen Händen befindet, zum Objekt des freien Handels, so ist es nicht ausgeschlossen, daß er im Laufe der Zeit dem jüdischen Volke überhaupt verlorengeht. Die heftige antijüdische Propaganda, die von gewissen arabischen Kreisen betrieben wird, wird, wenn sie auf das wirtschaftliche Gebiet übergreift, hier einen der schwächsten Punkte der jüdischen Verteidigungsfront vorfinden.

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