Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Zur Frage der Agrarreform
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 3)
- Language
- German
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354 und darüber hinaus im Umbau 4es veralteten Steuerapparates begriffen ist, dessen Folgen zunächst verringerte Einnahmen - sein dürften. Ein weiterer hindernder Umstand ist das erschreckend niedrige Kulturniveau der Bevölkerung, die in der ersten Zeit wohl gar nicht wüßte, was sie mit dem freien Bodeneigentum anfangen soll und davon einen ganz unzweckmäßigen Gebrauch machen könnte. Wir kommen auf diese Frage in der Folge noch zurück. Hier *sei nur vermerkt, daß die 'Hebung des Kulturstandes der Bevölkerung, an die erst die gegenwärtige Mandatar regier ung energisch herangetreten ist, eine der Grundbedingungen des Gelingens jeder Bodenreform ist und daher noch ein ziemlich langer Erziehungsprozeß notwendig sein wird, ehe an einen derartigen Schritt, selbst wenn die anderen Schwierigkeiten wegfallen sollten, gedacht werden könnte. Und nun kommen.wir zu der Hauptfrage, die bei der Behandlung aller Bodenreformvorschläge in Palästina in erster Reihe in Betracht gezogen werden muß. Es wurde schon früher betont, daß Palästina heute ein Immigrationsland, und zwar ein solches ganz bestimmter Art darstellt. Die jüdische Einwanderung, die -sich ins Land richtet, verfolgt den Zweck, hier ein gesundes nationales Gemeinwesen zu schaffen. Somit ist für uns die Fundierung der landwirtschaftlichen K o 1 o n i s a t i o n das Primäre. Diese ist aber, wenn wir von der Eignung des Menschenmaterials und dessen Vorbildung absehen, von zwei Grundbedingungen abhängig: Von der Möglichkeit, Boden für die Kolonisation zu bekommen, und von dem Preis, der für den Boden gezahlt werden muß. Nun sind in ersterer Hinsicht die Bedingungen bisher ziemlich günstig gewesen. Zwar haben wir staatlichen Boden bisher (entgegen den Bestimmungen des Mandats) fast gar nicht zugewiesen bekommen. # Dagegen ist das Angebot an verkäuflichen Grundstücken noch immer ein ziemlich reichliches. Schlimmer sieht es schon mit den Preisbedingungen aus. Das gewaltige Steigen der Bodenpreise in den paar Jahrzehnten seit dem Einsetzen der jüdischen Kolonisation im Lande ist eine der bedenklichsten Erscheinungen, die das wirtschaftliche Gelingen der Kolonisation in Frage stellen kann. Wenn man bedenkt, daß die ersten Kolonisten im Lande (1882) den (damals viel zu hohen) Preis von 7 Fr. per Dunam Boden zu zahlen hatten, während heute der Durchschnittspreis des arabischen landwirtschaftlicHen nichtmeliorierten Bodens 4 bis 5 Pfund, also in Friedensparität umgerechnet das 15- bis 18fache beträgt, >so wird die Gefahr einer derartigen Entwicklung ganz augenscheinlich. Nur zu einem minimalen Bruchteil kann sie durch die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung des Landes erklärt werden, zum größten Teil handelt es sich hier um die einfache Ausnützung der Tatsache, daß der Boden seit dem Einsetzen der jüdischen Kolonisation in besonders starkem Maße ein Monopolartikel geworden ist, für den ruhig der hohe Preis, gefordert und durch das kolonisierende Volk auch gezahlt werden muß. Das