Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1927-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 322

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 6-7
Article
Erfahrungen der palästinensischen Spiritusindustrie
Date
1927-01-01
Page
Seite 322 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2379786-2379858-2379863-2384451--05312-2384702
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

322 Bei ungestörtem Betrieb (mit dem hier grundsätzlich nicht gerechnet werden kann) kann Petach Tikwah täglich zirka 1,5 Tonnen Spiritus von 95 Prozent erzeugen, Haifa 1,2 Tonnen und Sarona 1 Tonne. Eine solche Leistung mußte in kurzer Zeit zu. einer Verstopfung des in seiner Aufnahmsfähigkeit überschätzten % palästinensischen Inlandmarktes führen. Die Gestehungskosten hielten sich'nach (Alblauf der ersten „Kinderkrankheiten"- periode auf Pfd. Sterl. 50 bis 55 per Tonne, woraus die Unmöglichkeit hervorging, ins Ausland auszuführen oder aber den Spiritus unrektifiziert als Brennspiritus zu verkaufen. Zu den 'Gestehungskosten kam eine Akzise von Pfd. Sterl. 24 per Tonne; man konnte sich also zur Not auf Pfd. Sterl. 80 herunterkonkurrieren, weiter ging es nicht. In diesem Stadium schlössen sich die drei Gesellschaften zu einem Kartell zusammen, das den Absatz einheitlich besorgte und jeder einzelnen Fabrik ein Produktionskontingent zuwies. Inzwischen führten innere Krisen in allen drei Gesellschaften zu Verschiebungen der Besitzverhältnisse, die in allen drei Fällen dazu führten, daß die ursprünglich in Minorität beteiligten alten palästinensischen Kaufleute der Spiritus- und Weinbranche über ihre mit der 4. Allah eingewanderten Gesellschafter, die als die eigentlichen Gründer anzusehen sind, die Oberhand behielten.- Die früheren Hauptbeteiligten der Firma Saraf in Petach Tikwah gründeten eine /neue .Spiritusfabrik in Jaffa, wieder von einer Leistungsfähigkeit von 1,2 Tonnen. Da sie schon auf gewissen Erfahrungen fußen konnten, so stellte sich bei ihnen das Verhältnis des Anlagekapitals zum Umsatz wesentlich günstiger, als bei den älteren drei Fabriken. Hierauf vertrauend, schlössen sie sich nach ihrer Eröffnung im Sommer 19,25 zunächst nicht dem Kartell an, sondern nahmen den Kampf auf. Erst in jüngster Zeit werden auch mit ihr gegenseitig Anschluß gesucht und Verhandlungen aufgenommen, die inzwischen zu ihrem Eintritt in das Kartell geführt haben. Um einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen, hat sich noch eine fünfte Spiritusiabrik bei Mikweh Jsrael gegründet, die sich ein Jerusalemer Kupferschmied selbst gebaut hat; ihre Kapazität ist klein, darf aber bei der jetzigen Marktlage auch nicht völlig vernachlässigt werden. Von allen diesen Fabriken ist nur eine, Sarona, für die Verwendung von Getreide als Rohmaterial eingerichtet und hat auch mit gutem Erfolg Durrha und Mais verarbeitet. Da sich aber keine Verwendung für die Schlempe fand, so wurde dieser Versuch wieder aufgegeben, denn für eine lohnende Kalkulation soll die Schlempe den Wert eines Viertels des Rohmaterials einbringen. In Petach Tikwah liegt ,ein zur Verarbeitung von Getreide geeigneter Dämpfer in der Fabrik und könnte im Bedarfsfall montiert werden. Die Aufstellung einer Kohlensäureanlage ist in Petach Tikwah und Jaffa geplant. Außerdem stehen in Petach Tikwah Apparate für die Erzeugung von Preßhefe, die aber noch nicht in Benützung genommen wurden, obgleich sie seit mehr als einem Jahre montiert sind. Die Fabrikation befindet sich in einem iStadium mittlerer Primitivität, sämtliche Fabriken außer Haifa haben eine Kolonne für die kontinuierliche Destillation der vergorenen Maische, keine einzige eine kontinuierliche Rektifizierkolonne. Höher als auf die oben erwähnte Ausbeute dürfte sich mit den vorhandenen Apparaten der Ertrag kaum" steigern lassen. Die hier beschriebene Lage der palästinensischen .Spiritusindustrie bietet das Bild einer gewissen Verworrenheit. Wie dieser Mangel an industriellem Instinkt zustandegekommen ist, braucht jetzt nicht mehr erörtert zu werden. Wesentlich interessanter wäre es, eine Prognose zu finden; eine solche sieht nicht sehr freundlich aus. Jede der vier Fabriken müßte ungefähr 250 Tonnen jährlich produzieren, um wirklich zu rentieren, zumal in ihren Anlagekosten manche faux frais stecken. Das heißt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.