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Palästina · 1927-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 323

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 6-7
Article
Erfahrungen der palästinensischen Spiritusindustrie
Date
1927-01-01
Page
Seite 323 (sequence 4)
Language
German
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323 aber, nach Abzug der Sabbate und Festtage sowie der unentbehrlichen Reparaturzeiten, ein ganzes Jahr volle Beschäftigung. Statt dessen entfällt heute auf jede eine Produktion von zirka 60 Tonnen jährlich. Die endgültige Stillegung einer oder zweier dieser Fabriken wird sich auf die Dauer wohl kaum aufhalten lassen. Es zeigt sich hier wieder ein entsprechendes iBild wie im Handel von Tel Awiw: Ein Ueberschuß von unzureichenden Unternehmungen, die infolgedessen zu teuer produzieren, verhindert das Aufkommen von zentralen Großumternehmungen. Eine Spiritusfabrik von der Größe der in Chedera geplanten wäre imstande, den palästinensischen Bedarf zu decken. Dazu hätten aber nicht vier Gesellschaften mit zusammen zirka Pfd. Sterl. 30.000 Investierungen, sondern eine einzige mit dem gleichen Kapital bestehen müssen. Dann wäre eine solche Fabrik , auch in der Lage gewesen, durch Organisierung des Verkaufes der Ueberprodukte (Schlempe und Kohlensäure) der Landwirtschaft einen doppelten Dienst zu erweisen: Verarbeitung inländischen Getreides und Standardisierung der Ernährung einer gewissen Menge Milch- und Mastvieh. Es soll nicht verschwiegen werden, daß sich der Verwirklichung eines solchen Planes noch eine eigenartige Schwierigkeit in den Weg stellen würde. Ein großer Teil des Alkohols wird für die Fabrikation des Pesachweines verwandt, muß also „koscher-lepessach" sein. Nun ist Gerstemmalz nicht pessachfähig; indessen wurde hier bereits die Erfahrung gemacht, daß aus (Durrha hergestelltes Malz (das nach rabbinischem Gutachten als pessachdig passieren kann) gute diastatische Wirksamkeit besitzt und Gerstenmalz ersetzen kann. So muß die weitere Zukunft lehren, ob die Spiritusindustrie den Weg von dem direktionslosen, für alle Beteiligten nutzlosen Individualismus zur Einfügung in die allgemeine Wirtschaft zurückfinden kann. Geistiges Leben. Von Dr. Hugo Bergmann, Jerusalem. In einem Aufsatz „Erhaltung oder Erneuerung?", welchen Oskar Epstein im Sammelbuch vom Judentum 1913 veröffentlichte, formulierte er das Wesen des Zionismus folgendermaßen: „Der Zionismus erstrebt, die im jüdischen Volke bestehenden unvereinbaren Gegensätze . . . bewußt zu machen und ihre Austragung. ... zu erzwingen."*) Einer der großen Gegensätze des jüdischen Wesens, der mit dem Zionismus immer deutlicher in das Bewußtsein gehoben wird, ist der zwischen nationalistischem Judentum und menschheitlichem Judentum. Dieser Gegensatz beherrscht die wichtigsten Abschnitte unserer Geschichte und auch deren letztes Kapitel. Der Zionismus speist sich aus zwei Quellen: es ist einerseits die Sehnsucht nach Erhaltung, die uns nach Palästina trieb, die Furcht von der Assimilation und der europäischamerikanischen Zivilisation verschlungen zu werden. Es war aber anderseits der Wunsch, dem gespenstischen Dasein der jüdischen Gemeinschaft innerhalb der Menschheitsfamilie ein Ende zu machen, die Hoffnung, daß die Verbindung mit dem Boden, die Rückkehr zur produktivein Arbeit das jüdische Volk für seine imenschheitliche Aufgabe freimachen wird. Wir glaubten, daß die Juden in Palästina befreit sein werden von der Sorge *) Epstein sah diesen Gegensatz (mit vollem Recht) als den zwischen Judentum und Mauscheltum an; ich habe diese Worte ausgelassen, weil sie mit dem folgenden nichts zu tun haben. Es scheint mir, daß die Verwirklichung des Zionismus dazu führen muß, alle sittlichen Gegensätze in unserer großen Gemeinschaft bewußt zu machen.

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