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Palästina · 1927-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 316

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 6-7
Article
Dem Aufstieg entgegen
Date
1927-01-01
Page
Seite 316 (sequence 3)
Language
German
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316 Weizmann und Lipsky nach ihrer Ankunft in London dem Vertreter des „Haolam" gaben und die als offizielle Enunziationen zu betrachten sind. Die Mittel, die man in Amerika für Palästina haben könne, meinte Weizmann, seien unbegrenzt, wenn man den Beweis liefere, daß das Geld nicht in ein hohles Faß fließe. Die Wirtschaftsmethoden müssen dahin tendieren, den Siedler auf eigene *Füße zu stellen und die Amortisation der investierten Summen ermöglichen. Und noch schärfer, im Ausdruck vielleicht zu scharf, erklärte Lipsky: „Der geübte Hungerleider der Kwuzah ist nicht unser Ideal und diese Form kann nicht die Basis des Aufbaues sein. Das ganze System muß geändert werden." Diese geistige Neuorientierung hat jedoch nicht nur in den führenden Kreisen stattgefunden, sie basiert vielmehr auf einer Gruppierung innerhalb des Jischuw und des Zionismus überhaupt. Charakteristisch hiefür mag der Aufruf gelten, mit dem die „Hitachdruth Esrachith Leumith" ihre Schekelkampagne begonnen hat. Der Aufruf lautet: „Wer von Euch nicht will, daß sich der Jischuw in unseligem Klassenkampf und Bruderkrieg zerfleische, daß Kapital und Arbeit als feindliche Mächte zum Schaden der Nation einander gegenüberstehen, sondern wer von Euch glaubt, daß das Wohl der Nation als oberstes Ziel gilt, dem sich alle Klasseninteressen unterzuordnen haben, daß sich die Arbeiter für das Blühen der nationalen Produktion ebenso verantwortlich fühlen müssen wie die Produzenten für den Schutz der nationalen Arbeitskraft, daß unser Land nur auf gesunder wirtschaftlicher Basis in kurzer Zeit eine möglichst große Anzahl Immigranten absorbieren kann, daß daher private Initiative und private Verantwortung von den nationalen Interessen zu fördern seien, daß der Aufbau des Landes nach sachlichen Gesichtspunkten von Fachleuten zu leiten sei und nicht den Zufällen der Politik ausgesetzt werden dürfe, der . . ." In aller Kürze ist hier ein Programm verkündet, das, wenn die Taten mit den Worten in Einklang stehen werden, geeignet ist, für den Jischuw von größter Bedeutung zu sein. Auch von seiten der Arbeiterschaft wurde' in dieser Richtung ein weittragender Schritt unternommen. Es wurde von ihr der Vorschlag einer Neutralisierung der Arbeitsämter und gemeinsamer Schiedsgerichte gemacht. Ueber die Formen und speziellen Fragen der Durchführung dieser Vorschläge wurde an anderer Stelle berichtet. (Siehe Nr. 415, Seite 223. Anm. d. Red.) Hier sollen sie nur als Symptome gewertet werden. Es besteht momentan auf beiden Seiten des Jischuw der starke Wille, aus der gegenseitigen Bekämpfung herauszukommen, doch scheint die Stunde hiefür noch nicht gekommen. Von bürgerlicher Seite besteht noch Mißtrauen gegen die Vorschläge, solange eine Reihe von Fragen, wie das Verhältnis zum „Solei Bönen" u. a., nicht genügend geklärt' sind. Es wäre Aufgabe der Exekutive, hier zu einer Zusammenführung der Parteien hinzuwirken. In immer stärkerem Maße beginnt das Bürgertum des Landes gewisse organisatorische Formen anzunehmen. Zuerst entstand die politische Partei, deren Programm bereits vorliegt. Kürzlich wurde nun eine Gesellschaft „Lemann Tel-Awiw" gegründet, die als ihre Aufgabe betrachtet, alle Fragen, die die Stadt angehen, zu untersuchen und nötigenfalls aktiv einzugreifen. Es wurden erwähnt die Probleme der Verschönerung, Touristik, Verkehrswesen, Lebensmittelpreise, Industriemöglichkeiten etc. Die Gründung dieser Gesellschaft verdient nicht so sehr ihrer unzweifelhaft lobenswerten Ziele wegen erwähnt zu werden, sondern weil wir in ihr eine erste Ausdrucksform einer entstehenden „öffentlichen Meinung" erblicken, deren Bestehen immer die Erreichung eines gewissen Grades in der Entwicklung eines Gemeinwesens darstellt. In diesem Zusammenhang mag auch von der Gründung des Vereines der Freunde des „Tozereth Haarez-Museums" gesprochen werden. Genanntes

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