Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Der Kernpunkt der Währungsreform
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 2)
- Language
- German
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302 wird nur das System sein, nach dem die künftige Währungsmasohünerie Palästinas gehandhabt werden wird. Denn der eigentliche Wert der Reform besteht darin, daß sie dem Lande endlich eine solche Maschinerie zur Verfügung stellt und ihm damit die Möglichkeit gibt, eine eigene Kreditpolitik zu betreiben, wie seine Bedürfnisse sie erfordern. Damit erst bekommt Palästina — sieben Jahre nach der Erteilung des Mandats — das wichtigste Mittel zur Durchführung einer eigenen Wirtschaftspolitik in die Hand. (Es sei hier bemerkt, daß ein Nationalökomom wie Keynes, unter einer Volkswirtschaft ein Gebiet mit einer eigenen Währung versteht, so daß Palästina nach dieser Begriffsbestimmung erst jetzt von einem Annex der ägyptischen zu einer eigenen Volkswirtschaft werden würde.) Heute ist die ganze Wirtschaftsentwicklung des Landes von einem dauernden Mißverhältnis zwischen Sachwerten und Geldumlauf 'beherrscht. Während in Ländern mit eigenem EmisSronsiinstitut die Menge der Zahlungsmittel durch die Wechseldiskontierungen bei der Notenbank sich mehr oder minder rasch dem Wachsen der Sachkapitalien angleicht, fehlt dieser Mechanismus bei uns. Die laufende Geldvermehrung geht -nicht mit der Vermehrung des gesamten Gütervorrates, sondern unabhängig davon mit der Entwicklung der Kapitalseinwanderung parallel. In der Praxis äußert sich diese Inkongruenz gewöhnlich in einem Wachsen der Sachkapitalien über die Vergrößerung der Zahlungsmittefenenge hinaus und daher in einer dauernden Geldknappheit. Theoretisch könnte es dabei natürlich ebenso gut möglich sein, daß sie ihren Ausdruck (in einer anhaltenden Geldfülle fände — wenn nämlich die Einwanderung mehr Geldals Sachkapital ins Land bringen würde — nur das Aufhören des Mißverhältnisses se'ibst, ein Zustand relativer Aiisgeglichenheit, wäre kaum denkbar. Praktisch ist das aber in der Regel nicht der Fall: Die Immigranten bringen in der Regel mehr Sachwerte als Geld mit und suchen erst im Lande selbst die nötigen flüssigen Mittel zu deren Frukti'fizierung zu bekommen. Als wirklich einmail Leute mit mehr Geldals Sachkapital hereinkamen, während der vierten Alijah, entstand auch tatsächlich eine Geldüberfülle und in ihrem Gefolge eine Hausse. Um einen naheliegenden Einwand vorwegzunehmen, sei hier ausdrücklich darauf hingewiesen, daß an sich natürlich trotz des Fehlens einer eigenen EmissionssteHe eine laufende Vermehrung der Zahlungsmittel parallel zu der Vergrößerung des Sachkapitals möglich wäre. Denn die Anglo Egyptaian Bank und die Anglo Palestine Company könnten ja palästinensische Wechse'l mit ihrem Giro an ihre Londoner Zentrale weiter geben und sie dort direkt oder durch Einschaltung eines zweiten Instituts bei der Bank von England rediskontieren, sodaß auf diese Weise doch die Verbindung mit einer Notenbank hergestellt wäre. Aber in der Praxis hat die Anglo E&yptian Bank bisher meines Wissens sehr wenig Neigung