Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Der Kernpunkt der Währungsreform
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 1)
- Language
- German
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301 Der Kernpunkt der Währungsreform. Von Ernst Davis, Jerusalem. Die Durchführung der palästinensischen Währungsreform, die ursprünglich für Ende des vergangenen Jahres erwartet worden war, ist auf den Anfang des neuen Etatsjahres vertagt worden. Man kann daher annehmen, daß die neuen . Geldzeichen im zweiten Quartal dieses Jahres in Umlauf gebracht werden. Obwohl in der europäischen Inflationszeit ein gmzes Heer von Währungskritikern entstanden ist, hat unsere Presse sich auffallend wenig mit dieser Neuordnung beschäftigt und, soweit sie es tat, dabei lim wesentlichen drei Dinge behandelt: Erstens die Befreiung des Landes von dem zinslosen Darlehen, das es bisher Aegypten durch die Annahme seiner Banknoten und seiner Scheidemünzen gewährt, zweitens die Stückelung des neuen Geldes und drittens seine Benennung. Alle diese Seiten des Problems sind zweifellos wichtig. Es ist natürlich ein Nonsens, daß ein armes Land wie Palästina seinem unvergleichlich Teicheren Nachbarn eine Jahresrente von einem Kapital zahlt, das man auf gut anderthalb Millionen Pfund beziffern kann. Es ist auch zweifellos wünschenswert, daß zur Unterstützung einer VerbiÄgung der Preise die Geldeinheit wie die kleinste Münze möglichst niedrig sind. Denn das Fehlen eines Geldzeichens, das etwa dem deutschen Fünfpfennigstück oder dem Pfennig selbst entspricht, wirkt sicher verteuernd. (Im Detailhandel kann man zwischen einem halben und einem »ganzen Piaster — etwa 10 und 20 Pfennig — keine Abstufung machen, weil es dazwischen einfach kein Geldstück gibt. Den Millieme, etwa zwei Pfennig, sieht man so gut wie nie.)-Ebenso ist es sehr wichtig, wie das neue Geld aussehen, ob es zum Beispiel eine hebräische Inschrift und jüdische Embleme tragen wird. Man soll diese Frage durchaus nicht mit der bei uns so sehr beliebten und für weise gehaltenen Mäßigung in Formfragen so leichthin abtun. Formen und Symbole sind äußerst wichtig und üben, wenn sie immer wieder dem Hirn eingeprägt werden, eine starke Wirkung aus; regelmäßig und mit allem Ernst angewandte Herrschaftssymbole schaffen allmählich eine politische Atmosphäre um ihren Träger, in der er manche sachlichen Forderungen stellen darf, deren bloße Diskussion sonst unmöglich erschiene. Unter diesem Gesichtspunkte ist es außerordentlich bedauerlich, daß die von der seinerzeit von Herbert Samuel eingesetzten Sachverständigenkommissiion für die Währungsreform empfohlenen hebräischen Münzbe zeich* nungen „Schäkel" und „Dinar" nicht beibehalten werden, sondern statt dessen die Namen „Pallästinensisches Pfund" und „Palästinensischer Piaster" gewählt werden sollen. Aber so groß die Bedeutung dieser Fragen auch sein mag, volkswirtschaftlich wichtig und für den Erfolg der Währungsreform wirklich entscheidend