Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Die Aussichten des Gemüsebaues in Palästina
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2379786-2379858-2379863-2384440--05255-2384662- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
282 dej Industrie, durch Massenproduktion und Mechanisierung der Arbeit. Da dies auch» die Grundprinzipien der Landwirtschaft sind, so ist folgerichtig der Feldgemüsebau als zur Landwirtschaft gehörig zu betrachten; das bedeutet, daß er allen ihren Betriebsgesetzen sowohl in ackerbaulicher als auch in pflanzenbaulicher Beziehung unterliegt. Leider ist das in Palästina noch viel zu wenig erkannt worden und darum ist auch dort das Gemüse noch viel zu teuer. Nur mit modernsten landwirtschaftlichen Methoden ist heute ein rationeller Feldgemüsebau möglich — also durch Einordnung der Kulturen in die landwirtschaftliche Fruchtfglge, geeignete Düngung und Bearbeitung des Bodens sowie breiteste Anwendung der Maschinenarbeit. Um nun Mißverständnissen vorzubeugen, sei darauf hingewiesen, daß durchaus keine riesigen Flächen nötig sind, um Feldgemüsebau zu treiben. Nicht die Größe macht es, sondern die Methode, die darin besteht, mit geringstem Aufwand an Arbeitskraft und Kosten 'möglichst viel zu erzeugen. Ganz andere Grundsätze gelten für den gartenmäßigen Gemüsebau. Seine Aufgabe ist es, den Feldgemüsebau, der, wie schon gesagt, Verbrauchsgemüse sehr billig liefern soll, zu ergänzen. Das ist auf drei verschiedene Arten möglich: 1. durch Kultur der Gemüse außerhalb der Saison, also Treiberei der wärmeliebenden Pflanzen im Frühjahr und Spätherbst sowie Anbau der wärmeempfindlichen während des Sommers; 2. durch Kultur von selteneren Gemüsen, die, da sie entweder nicht genügend bekannt oder in ihrer Erzeugung zu teuer sind, nur bei einem beschränkten Kreis der Bevölkerung Absatz finden, also dadurch für den Feldgemüsebau nicht in Betracht kommen; 3. durch Erzeugung mittels bestimmter Sortenwahl und Düngung, von besonders edlen und vollkommenen Saisongemüsen, die speziell für den Verkauf in Delikatessengeschäften in Betracht kämen. Als Beispiel für letzteres sei auf die Pariser Gemüsegärtner hingewiesen, die auch, selbst wenn viele Wlaggons mit im Feldgemüsebau erzeugtem Salat unverkäuflich bleiben, den ihren nicht nur glatt absetzen, sondern sogar etwa dreimal so hohe Preise dafür erzielen, was durch seine Qualität vollkommen gerechtfertigt ist. Um diesen Aufgaben nachkommen zu können, sind für den gartenmäßigen Betrieb große Kapitalsinvestitionen für Bodenverbesserung durch dauernde Düngung mit organischen Düngern, für Bedeckungsmaterial wie Glasfenster, Strohmatten etc., nötig. Daraus ergibt sich, daß der Größe einer solchen Gemüsegärtnerei von vorneherein Grenzen gesetzt sind; hier in Frankreich schwanken sie zwischen 7 bis 20 Dunam. Dieser Boden hat, im Vergleich zu dem Feldgemüsebau, eine sehr große Bodenrente zu bezahlen; es ist deshalb bei seiner Bearbeitung äußerste Intensität erforderlich. Nur dadurch und durch breiteste Anwendung von Unter- und Zwischenkulturen wird es ermöglicht, vier- bis siebenmal jährlich darauf zu ernten. Der gartenmäßige Gemüsehau stellt also das